03. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria
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Onkologe Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz:
„Jede Seele hat eine Aufgabe“

WIEN – Er ist ein Schulmediziner, wie er in keinem Buche steht: Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemein-Chirurgie am AKH Wien. Der international anerkannte Onkologe und Experte auf dem Gebiet des Mammakarzinoms setzt sich aber auch wie kein anderer für eine spirituelle Medizin ein, eine Medizin mit Herz, in der sich wissenschaftliche Guidelines nicht über die Ganzheitlichkeit des Menschen hinwegsetzen und das Denken nicht dem Fühlen im Weg steht. In einem sehr persönlichen Interview spricht Prof. Jakesz mit der MT über seine Sicht von Krebserkrankung und Heilung.

MT: In Ihren Vorträgen weisen Sie immer wieder darauf hin, dass bei der Entstehung von Krebs „geistige“ bzw. „energetische“ Ursachen eine wesentliche Rolle spielen …
Prof. Jakesz:
Für mich hat alles im Leben einen Sinn, eine Bedeutung. Nichts kommt von ungefähr. Nach meinen Erfahrungen mit Brustkrebspatientinnen spielen ganz bestimmte emotionale Verhaltensmuster eine Rolle, nämlich Trauer und das Gefühl von Mangel. Eine tiefe Traurigkeit, ein Mangel an Selbstwertgefühl, ein Unerfülltsein mit Liebe ist bei fast all diesen Frauen zu spüren. Die weibliche Brust hat ja vielfältige physiologische Aufgaben und emotionale Bedeutungen. Transponiert man beispielsweise den Aspekt der Ernährung auf die geistige Ebene, stellt sich die Frage, wie sich diese Frau geistig ernährt. Wie ist ihre Lebensvision? Wie steht ihre Persönlichkeit in Beziehung zu ihrer Seelenaufgabe? Wie ist der verbleibende Lebensausblick?
Wir müssen in die moderne Medizin Aspekte unseres geistigen Lebens einbringen, und das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit der oft zitierten Ganzheitlichkeit des Menschen. Die Brust liegt physiologisch knapp beim Herzen und auch im energetischen Einflussbereich des Herzens. Es hat also mit der Frage zu tun, wie ich mich geliebt fühle, wie ich liebe, auch wie ich mich selbst liebe. Es geht um die Herzöffnung! Um das Fühlen!
Die Brust hat natürlich auch ganz wesentlich mit der Weiblichkeit zu tun. Hier also die Frage: Wie fühle ich mich in meiner Weiblichkeit? Wird mein Frausein von meiner Umgebung geschätzt? In Gesprächen mit Patientinnen kommt oft heraus, dass sich Frauen in ihrer Sexualität nicht wirklich gut erkannt fühlen. Die Sexualität ist ein sehr verwundetes Th ema! Und dieses Thema feinfühlig anzusprechen, kann für die Patientinnen oft sehr befreiend sein. Ich glaube nicht, dass es die Krebspersönlichkeit gibt, wohl aber, dass es die emotionale Voraussetzung dafür gibt, krank zu werden.

MT: Im Fall einer schweren Krankheit stellen sich wohl viele Menschen wichtige Lebensfragen. Können Sie Ihren Patientinnen überhaupt helfen, Lösungen zu finden?
Prof. Jakesz:
Ich versuche es, ja. Es geht letztlich um die Spiritualität. Zu verstehen, warum ich durch eine bestimmte Erfahrung gehen muss. Meines Erachtens suchen wir uns unsere Erfahrungen in diesem Leben selber. Die Seele sucht für uns den nächsten Schritt aus.
Das ist eine sehr persönliche Sicht, aber keine Lehrmeinung, die ich propagiere. Ich spreche aus meiner Erfahrung mit vielen tausend Patientinnen, mit denen ich mich zum Teil sehr intensiv unterhalten habe. Es ist wichtig, dass die Patienten die Verantwortung übernehmen, für das, was ihnen passiert. Aber nicht im Sinne einer „Schuld“! Sondern im Erkennen der Bedeutung der Krankheit.
Die zentralen Fragen sind: Wie gehe ich mit dem, was mir passiert, um? Wie heile ich mich? Wie heile ich mich emotionell? Was aber nicht heißt, dass die Lösung essenzieller Fragen beziehungsweise die Heilung emotioneller Wunden automatisch eine körperliche Heilung mit sich bringt. Das wäre naiv zu glauben! Aber es geht darum, die Krankheit anzunehmen. Mit Liebe anzunehmen und nicht dagegen anzukämpfen. Die Krankheit ist mein Freund, sie ist zu meinem höchsten Wohl.

MT: Verlangen Sie da nicht zu viel von den Patienten? Klingt das, was Sie hier sagen, nicht wie purer Hohn im Angesicht einer tödlichen Diagnose?
Prof. Jakesz:
Ich kann das alles natürlich nicht in der ersten Minute zu meinem Patienten sagen. Das ist ein Prozess, durch den man gemeinsam geht. Ich habe viele, viele Frauen erlebt, die diese Erkenntnis gehabt und gesagt haben: „Ich bin so froh, dass ich krank geworden bin.“ Und, es ist natürlich auch eine Frage, wie man sich mit dem eigenen Tod, mit der eigenen Todesfurcht auseinandersetzt.
Aber wir haben ja überhaupt wenig Todeskultur, und die Schulmedizin stellt sich dieser Frage auch kaum. Sie ist rein pragmatisch, was aber auch gut ist. Niemand hat eine Seele je nachgewiesen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass unser Geist, unsere Energie nicht verloren geht. Und man wird das auch einmal nachweisen können. Wissen Sie, wie viele Menschen es gibt, die mit Seelen Kontakt aufnehmen können? Das ist nichts Besonderes, aber es ist nicht in unserer Gesellschaft integriert.

MT: Wovon hängt Ihrer Meinung nach bei einer Krebserkrankung die Prognose ab?
Prof. Jakesz:
Das ist letztendlich eine ungeklärte Frage. Ich sage dazu nur: Wir wissen nicht, was die Seele mit uns vorhat und welche karmischen Aspekte wirksam sind. Jede Seele hat eine Aufgabe. Aber kann man so etwas überhaupt schreiben? Es fehlt in unserer Gesellschaft das Bewusstsein dafür, viele verstehen das nicht. Aber ich will niemand bekehren oder überzeugen. Die, die off en dafür sind, hören die Worte ohnehin. Ich selbst versuche nur, Medizin mit reinem Herzen zu machen. Und ich denke, dass die Patienten davon profi tieren.

MT: Sie bieten Patientenseminare an. Worum geht es da?
Prof. Jakesz:
Im Wesentlichen geht es um die Arbeit mit den inneren Energien. Die Patientinnen lernen, sich zu zentrieren und ener getische Defi zite auszugleichen. Dazu gibt es verschiedene Techniken, wie beispielsweise Atem übungen, Meditationen oder das Erkennen emotionaler Muster. Sehr wichtig ist auch die Aufnahme von „Chi“ aus der Natur. Sinn der Seminare ist, die Patientinnen bei ihrer Krankheitsbewältigung zu unterstützen, Selbst-Erkenntnis anzuregen und die Tore zur inneren Heilung zu öffnen. Vielleicht noch zum Abschluss: All das, was ich Ihnen gesagt habe, ist keine Sache des Beweisens, sondern des Spürens. In den besten internationalen Journals über das Mammakarzinom zu publizieren ist das Eine. Das Andere ist, Medizin mit dem Herzen zu machen. Und beides muss zusammengehen.

Das Interview führte Dr. Silvana Schwitzer.

© MMA, Medical Tribune • 41. Jahrgang • Nr. 38/2009

ABCSG

Die österreichische Forschungsgesellschaft ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) besteht seit mehr als zwei Jahrzehnten und hat sich auf klinische Studien zum Mammakarzinom und zum kolorektalen Karzinom spezialisiert. Durchgeführt werden die wissenschaftlichen Untersuchungen von 700 Ärztinnen und Ärzten an rund 100 Zentren in ganz Österreich, die auf Brust- und Darmkrebs spezialisiert sind. Besonderer Wert gelegt wird dabei auf die Zusammenarbeit von Ärzten aus allen Fachdisziplinen, die sich mit Brust- oder Darmkrebs auseinandersetzen.

www.abcsg.at

Aromatase-Inhibitoren
Verbessertes Überleben durch sequenzielle Therapie

Foto: Bilderbox
SAN ANTONIO – Die Präsentation der Studie ABCSG-8 auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium beweist zweierlei: Zum einen einen signifikanten Überlebensvorteil für die geplante Sequenztherapie mit Anastrozol nach zwei Jahren Tamoxifen, zum anderen ein weiteres Mal die hohe internationale Reputation der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG).

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Fortbildung für Kommunikation in der Onkologie
Open Mind – Arzt und Patient im Gespräch

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WIEN – Der Umgang mit Krebspatienten erfordert von den behandelnden Ärzten neben fachlicher Kompetenz auch ein hohes Maß an kommunikativen Fähigkeiten. Die Veranstaltungsreihe „Open Mind – Arzt und Patient im Gespräch“, die erstmals im April in Wien von der Studiengesellschaft ABCSG (Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group) gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Pfizer durchgeführt wurde, bietet Unterstützung für diese schwierige Aufgabe.

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Therapie und Versorgung von Brustkrebspatienten
Chirurgen planen für Österreich eigene Wege

Mammographie, Brustkrebs, Mammakarzinom, Foto: Bilderbox
WIEN – Die EU plant zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit die Implementierung spezialisierter, interdisziplinärer Behandlungszentren in allen Mitgliedsstaaten. Ein Konzept, das laut Österreichischer Chirurgischer Gesellschaft in Österreich so nicht umgesetzt werden kann. Vielmehr müssen vorhandene Expertise und Infrastruktur genützt und vernetzt werden. Denn die Qualitätsstandards seien im internationalen Spitzenfeld angesiedelt.

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„einherz – gemeinschaft für medizin mit liebe“

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WIEN – Eine kleine Gruppe engagierter Medizinstudenten hat es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Herzlichkeit in das Medizinwesen zu bringen. Dabei gehen sie selbst mit vollem Einsatz und gutem Beispiel voran. Innerhalb eines Jahres fand die Vereinsgründung „einherz – gemeinschaft für medizin mit liebe“, zwei „Umarmungsaktionen“ und ein voll ausgebuchtes Symposium statt.

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Podiumsdiskussion: Spiritualität – Teil ärztlichen Handelns?

Foto: Bilderbox
WIEN – Schwere Erkrankungen konfrontieren Menschen mit ihrer Endlichkeit. Und im Angesicht des Todes drängen existenzielle Fragen, nach einer letzten Instanz, nach dem Sinn des eigenen Lebens und Leidens. Müssen Ärzte „spirituell“ sein, um hier Patienten seelisch beistehen zu können? Überhaupt, müssen Ärzte auch noch „Seelsorger“ sein? Gewichtige Fragen, die aber – verliert man sich nicht im Dickicht von Definitionen – einfache Antworten in sich tragen.

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Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz
Foto: Bilderbox
Aromatasehemmer sollten nicht nur Patientinnen mit ungünstiger Prognose vorbehalten bleiben. Auch Frauen mit niedrigerem Risiko können profitieren.
Fachgebiete: Frauenheilkunde, Innere Medizin, Onkologie, Chirurgie, Allgemeinmedizin
Autoren: Univ. Prof. Dr. Michael Stierer, Univ. Prof. Dr. Edgar Petru, Univ. Prof. Günther Steger
Foto: BilderBox – Erwin Wodicka
Krebspatientinnen stellen sich und ihren Ärzten die Frage „Warum ich?“.