MT: In Ihren Vorträgen weisen Sie
immer wieder darauf hin, dass bei
der Entstehung von Krebs „geistige“
bzw. „energetische“ Ursachen
eine wesentliche Rolle spielen …
Prof. Jakesz: Für mich hat alles im
Leben einen Sinn, eine Bedeutung.
Nichts kommt von ungefähr. Nach
meinen Erfahrungen mit Brustkrebspatientinnen
spielen ganz bestimmte
emotionale Verhaltensmuster eine
Rolle, nämlich Trauer und das Gefühl
von Mangel. Eine tiefe Traurigkeit,
ein Mangel an Selbstwertgefühl,
ein Unerfülltsein mit Liebe ist
bei fast all diesen Frauen zu spüren.
Die weibliche Brust hat ja vielfältige
physiologische Aufgaben und emotionale
Bedeutungen. Transponiert
man beispielsweise den Aspekt der
Ernährung auf die geistige Ebene,
stellt sich die Frage, wie sich diese
Frau geistig ernährt. Wie ist ihre
Lebensvision? Wie steht ihre Persönlichkeit
in Beziehung zu ihrer
Seelenaufgabe? Wie ist der verbleibende
Lebensausblick?
Wir müssen
in die moderne Medizin Aspekte
unseres geistigen Lebens einbringen,
und das hat nichts mit Esoterik
zu tun, sondern mit der oft
zitierten Ganzheitlichkeit des Menschen.
Die Brust liegt physiologisch
knapp beim Herzen und auch im
energetischen Einflussbereich des
Herzens. Es hat also mit der Frage
zu tun, wie ich mich geliebt fühle,
wie ich liebe, auch wie ich mich
selbst liebe. Es geht um die Herzöffnung! Um das Fühlen!
Die Brust hat natürlich auch ganz
wesentlich mit der Weiblichkeit zu
tun. Hier also die Frage: Wie fühle ich
mich in meiner Weiblichkeit? Wird
mein Frausein von meiner Umgebung
geschätzt? In Gesprächen mit
Patientinnen kommt oft heraus, dass
sich Frauen in ihrer Sexualität nicht
wirklich gut erkannt fühlen. Die Sexualität
ist ein sehr verwundetes
Th ema! Und dieses Thema feinfühlig
anzusprechen, kann für die Patientinnen
oft sehr befreiend sein. Ich
glaube nicht, dass es die Krebspersönlichkeit
gibt, wohl aber, dass es
die emotionale Voraussetzung dafür
gibt, krank zu werden.
MT: Im Fall einer schweren Krankheit
stellen sich wohl viele Menschen
wichtige Lebensfragen. Können Sie
Ihren Patientinnen überhaupt helfen,
Lösungen zu finden?
Prof. Jakesz: Ich versuche es, ja.
Es geht letztlich um die Spiritualität.
Zu verstehen, warum ich durch
eine bestimmte Erfahrung gehen
muss. Meines Erachtens suchen wir
uns unsere Erfahrungen in diesem
Leben selber. Die Seele
sucht für uns den nächsten
Schritt aus.
Das ist eine
sehr persönliche Sicht,
aber keine Lehrmeinung,
die ich propagiere.
Ich spreche aus
meiner Erfahrung
mit vielen tausend
Patientinnen, mit denen
ich mich zum Teil
sehr intensiv unterhalten
habe. Es ist wichtig,
dass die Patienten
die Verantwortung übernehmen,
für das, was ihnen
passiert. Aber nicht im Sinne
einer „Schuld“! Sondern im Erkennen
der Bedeutung der Krankheit.
Die zentralen Fragen sind: Wie
gehe ich mit dem, was mir passiert,
um? Wie heile ich mich? Wie heile
ich mich emotionell? Was aber nicht
heißt, dass die Lösung essenzieller
Fragen beziehungsweise die Heilung
emotioneller Wunden automatisch
eine körperliche Heilung mit sich
bringt. Das wäre naiv zu glauben!
Aber es geht darum, die Krankheit
anzunehmen. Mit Liebe anzunehmen
und nicht dagegen anzukämpfen.
Die Krankheit ist mein Freund,
sie ist zu meinem höchsten Wohl.
MT: Verlangen Sie da nicht zu viel
von den Patienten? Klingt das, was
Sie hier sagen, nicht wie purer
Hohn im Angesicht einer tödlichen
Diagnose?
Prof. Jakesz: Ich kann das alles natürlich
nicht in der ersten Minute
zu meinem Patienten sagen. Das ist
ein Prozess, durch den man gemeinsam
geht. Ich habe viele, viele Frauen
erlebt, die diese Erkenntnis gehabt
und gesagt haben: „Ich bin so
froh, dass ich krank geworden bin.“
Und, es ist natürlich auch eine Frage,
wie man sich mit dem eigenen Tod,
mit der eigenen Todesfurcht auseinandersetzt.
Aber wir haben ja überhaupt
wenig Todeskultur, und die
Schulmedizin stellt sich dieser Frage
auch kaum. Sie ist rein pragmatisch,
was aber auch gut ist. Niemand
hat eine Seele je nachgewiesen. Trotzdem
bin ich überzeugt, dass unser
Geist, unsere Energie nicht verloren
geht. Und man wird das auch einmal
nachweisen können. Wissen Sie, wie
viele Menschen es gibt, die mit Seelen
Kontakt aufnehmen können? Das ist
nichts Besonderes, aber es ist nicht in
unserer Gesellschaft integriert.
MT: Wovon hängt Ihrer Meinung
nach bei einer Krebserkrankung
die Prognose ab?
Prof. Jakesz: Das ist letztendlich
eine ungeklärte
Frage. Ich sage dazu
nur: Wir wissen nicht,
was die Seele mit uns
vorhat und welche
karmischen Aspekte
wirksam sind. Jede
Seele hat eine Aufgabe.
Aber kann man
so etwas überhaupt
schreiben? Es fehlt in
unserer Gesellschaft
das Bewusstsein dafür,
viele verstehen das nicht.
Aber ich will niemand bekehren
oder überzeugen. Die,
die off en dafür sind, hören die
Worte ohnehin. Ich selbst versuche
nur, Medizin mit reinem Herzen zu
machen. Und ich denke, dass die Patienten
davon profi tieren.
MT: Sie bieten Patientenseminare
an. Worum geht es da?
Prof. Jakesz: Im Wesentlichen geht
es um die Arbeit mit den inneren
Energien. Die Patientinnen lernen,
sich zu zentrieren und ener getische
Defi zite auszugleichen. Dazu gibt es
verschiedene Techniken, wie beispielsweise
Atem übungen, Meditationen
oder das Erkennen emotionaler
Muster. Sehr wichtig ist auch
die Aufnahme von „Chi“ aus der
Natur. Sinn der Seminare ist, die Patientinnen
bei ihrer Krankheitsbewältigung
zu unterstützen, Selbst-Erkenntnis anzuregen und die Tore
zur inneren Heilung zu öffnen. Vielleicht
noch zum Abschluss: All das,
was ich Ihnen gesagt habe, ist keine
Sache des Beweisens, sondern des
Spürens. In den besten internationalen
Journals über das Mammakarzinom
zu publizieren ist das Eine. Das
Andere ist, Medizin mit dem Herzen
zu machen. Und beides muss
zusammengehen.
Das Interview führte Dr. Silvana Schwitzer.












