MT: Wie definiert sich die Integrative
Medizin?
Dr. Schein: Der Begriff „integrativ“
geht für uns über den rein interdisziplinären
Aspekt weit hinaus
und umfasst die Einbindung
aller heilkundlich tätigen Personen
sowie Institutionen und
selbstverständlich auch der Patienten.
Integrative Medizin bedeutet
zusätzlich die Schaffung von
Sozialkapital. Die Zusammenführung
unterschiedlicher medizinischer
Bereiche ergibt für die
Patienten einen Mehrwert an Gesundheitskapital:
Aus 1 und 1 wird
mehr als 2. Gemeinsam sind viele
Talentierte und Engagierte besser.
Durch die Forcierung neuer Partnerschaften
entstehen neue Teams
mit manchmal unkonventionellen
Lösungen für alte Probleme.
Um diese Gedanken bei praktisch
Tätigen zu verankern und ihnen
die Möglichkeit zur Umsetzung
zu geben, müssen neue Konzepte
erarbeitet werden. Zur Integrativen
Medizin gehören meines Erachtens
auch neue Forschungszugänge, diagnostische
Verfahren und therapeutische
Abläufe.
MT: Wie ist es zur Gründung des Forum
Integrativmedizin gekommen?
Dr. Schein: Das Forum Integrativmedizin
versteht sich als vernetzende
Plattform für alle Bereiche,
die der Heilkunde gewidmet sind. Es
war die Intention von Frau KR Hilde
Umdasch, die neben ihrer unternehmerischen
Tätigkeit zahlreiche
soziale Projekte unterstützt,
auch vernetzende und zusammenführende
Aktivitäten in der Medizin
zu fördern. Mir persönlich ist die
Umsetzung interdisziplinärer bzw.
integrativer Konzepte aus der Berufserfahrung
heraus seit vielen Jahren
ein Anliegen. In dieser Zeit ist
auch ein Netzwerk daran interessierter
Personen entstanden. Gemeinsam
ist uns allen die Überzeugung,
dass es einen großen Pool heilkundlich
Tätiger mit visionären Ideen
gibt, die einer Förderung bedürfen.
MT: Sie haben am Europäischen
Kongress für Integrative Medizin in
Berlin teilgenommen. Welche Eindrücke
konnten Sie mitnehmen?
Dr. Schein: Dieser Kongress hat gezeigt,
dass sich die Notwendigkeit,
vernetzt bzw. integrativ zu denken,
generationenübergreifend in den
Köpfen manifestiert. Aus den vielfältigen
Vorstellungen und Möglichkeiten
kondensiert sich allmählich
ein verbindendes Schema. An der
organisatorischen Ausformung der
„integrative community“ muss noch
gearbeitet werden. Die Gründung
einer europäischen Fachgesellschaft
sowie eines wissenschaftlichen Journals
für Integrative Medizin ist ein
wichtiger Schritt dazu.
MT: Welche Aktivitäten sind im
Rahmen des Forum Integrativmedizin
in Österreich geplant?
Dr. Schein: Wir entwickeln und
fördern Projekte zur Verbesserung
der Kommunikation zwischen Teilbereichen
der Medizin, aber auch
für eine effizientere Patientenbetreuung.
Visionären Ideen und Forschungsprojekten
mit integrativem
Ansatz soll ebenso Raum gegeben
werden wie bis dato von der etablierten
Medizin wenig beachteten
Heilmethoden natürlich nach kritischer
Betrachtung.Wir wollen
helfen und Fronten abbauen. Das
gemeinnützig tätige Forum Integrativmedizin
steht allen an dieser Thematik
Interessierten offen.
HH







