09. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria

Spannendes zur Männergesundheit
Vitamin D gegen Testosteronmangel?

GRAZ – Jahreszeitliche Veränderungen der Serum-Testosteronwerte gehen parallel mit saisonalen Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Grazer Endokrinologen um Univ.-Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch. Wenn sich ein Testosteronmangel tatsächlich durch Vitamin-D-Gabe verbessern oder beheben ließe, stünde damit ein äußerst kostengünstiger und sicherer Therapieansatz für ein immer noch stark unterschätztes Gesundheitsproblem zur Verfügung.

Ein Mangel an Androgenen hat vielfältige Auswirkungen auf den gesamten Organismus: Er fördert unter anderem die bauchbetonte Fettanlagerung, verringert die Muskelmasse und erhöht das Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Osteoporose. All das führt zu einer stark erhöhten Sterblichkeit der betroffenen Männer, die zusätzlich auch unter schnellerer Ermüdbarkeit, Leistungsschwäche und Libidoverlust leiden können. Da der Testosteronspiegel mit dem Alter abnimmt, ist ein klinisch relevanter Hormonmangel bei älteren Männern besonders häufig zu finden.

Einfluss der Jahreszeiten

Einen erheblichen Einfluss auf die Testosteronspiegel haben auch die Jahreszeiten: In der Grazer Studie wurden Blutproben von 2299 älteren Männern, die sich einer Koronarangiographie unterzogen („LURICStudie“, Leitung: Univ.-Prof. Dr. Winfried März), untersucht. Dabei zeigte sich, dass die durchschnittlichen Testosteronwerte im August mit 23,4 μg/l fast doppelt so hoch waren wie im März (12,2 μg/l). Besonders auffallend waren aber die fast deckungsgleichen saisonalen Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels. Insgesamt hatten Männer mit ausreichendem Vitamin D (≥ 30 μg/ l) signifikant höhere Testosteronwerte als Männer mit Vitamin- DInsuffizienz (20 bis 29.9 μg/l) oder -Defizienz (< 20 μg/l).

Ähnlich wie ein Testosteronmangel sind auch unzureichende Serumspiegel von Vitamin D ein bekannter Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Das Spektrum der möglichen Folgen reicht von Osteoporose, Hochdruck, erhöhter Gefäßsteifigkeit, Diabetes und Karzinomen bis hin zu kardiovaskulären und autoimmunologischen Erkrankungen. Damit assoziiert ist auch wiederum eine signifikant erhöhte Mortalität. „Besonders ungünstig ist, wenn gleichzeitig ein Vitamin-D-Mangel und ein Testosteronmangel vorliegen“, betont Univ.-Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch, stellvertretende Leiterin der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin, Med Uni Graz. „Aus meiner Sicht sollten Messungen des Vitamin-D- und Testosteronspiegels ein obligater Bestandteil von Gesundenuntersuchungen sein. Anzustreben ist ein Vitamin-D-Wert von mindestens 30 ng/ml.“

Nächstes Projekt zur Pathophysiologie

Hinweise darauf, dass zwischen den saisonalen Schwankungen von Vitamin D und Testosteron tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht, kommen von Tiermodellen und Untersuchungen auf molekularer Ebene: Eine wichtige Rolle dürften dabei Vitamin-D-Rezeptoren in der Hypophyse, vor allem aber auf Hodenzellen und auf Spermien spielen. Die genauen pathophysiologischen Zusammenhänge zwischen Vitamin-D- und Testosteronmangel sollen nun in einem nächsten Projekt erforscht werden. Geplant ist auch eine Studie, in der untersucht werden soll, ob eine Vitamin- D-Substitution tatsächlich die erwarteten Auswirkungen auf die Testosteronspiegel hat. Sollte sich in den Folgestudien bestätigen, dass die Testosteronproduktion mit Vitamin D angekurbelt werden kann, würde das auch die Behandlung des männlichen Sexualhormonmangels wesentlich erleichtern: „Vitamin D ist preiswert, hat praktisch keine Nebenwirkungen und kann gut dosiert werden“, so die Expertin.

Bei Frauen umgekehrte Wirkung?

Eine spannende Frage ist auch, wie sich Vitamin D auf die Testosteronproduktion bei Frauen auswirkt.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass hier die Wirkung gegenläufig sein dürfte: Bei Frauen scheint Vitamin D die Testosteronwerte zu senken. Eine Vitamin-D-Substitution könnte daher auch für Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom, die erhöhte Testosteronspiegel haben, ein vielversprechender therapeutischer Ansatz sein.

Dr. Rüdiger Höflechner

Wehr E., Obermayer-Pietsch B. et al. (2010), „Association of vitamin D status with serum androgen levels in men“, Clinical Endocrinology (accepted for publication 12 Dec 2009

© MMA, Medical Tribune • 42. Jahrgang • Nr. 9/2010
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Serie Sexualmedizin:
Jeder fünfte Mann ab 50 weist einen Testosteronmangel auf

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Was die sexualrelevanten Hormone des Mannes angeht, steht und fällt alles mit dem Testosteron. Dementsprechend leiden Männer, wenn mit diesem Hormon etwas nicht passt. Ein Testosteronmangel wirkt sich nicht nur auf die Sexualität aus, sondern kann auch eine Reihe anderer Unbill nach sich ziehen: Leistungsabfall, Gewichtszunahme, Antriebslosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen. Da eine Störung der Sexualfunktion nach wie vor ein Tabu ist, sollte der Arzt bestimmte Patienten aktiv auf dieses Thema ansprechen und eine entsprechende Therapie einleiten.

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Vitamin-B12-Mangel

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Wann liegt überhaupt ein echter Vitamin-B12-Mangel vor? Muss er immer therapiert werden? Und wenn ja, wie? Antworten auf diese Fragen gibt Univ.-Prof. Dr. Klaus Lechner von der Abteilung Hämatologie/Hämostaseologie der Medizinischen Klinik I der Medizinischen Universität Wien.

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Foto: BilderBox.com
Saisonalen Hormonschwankungen auf der Spur: Grazer Forscher finden einen Zusammenhang zwischen Jahreszeit, Vitamin D und Testosteron bei Männern.

Univ.-Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch

Univ.-Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch, Foto: Archiv
„Besonders ungünstig ist, wenn gleichzeitig ein Vitamin-D-Mangel und ein Testosteronmangel vorliegen.“