Verminderte Knochendichte ist ein Hauptrisikofaktor für osteoporotische Frakturen. Sie bedeuten für Patienten oft den Verlust an Eigenständigkeit.
Die Bevölkerungsgruppe der über 80- Jährigen wächst in Europa besonders stark an, und damit nehmen altersassoziierte Erkrankungen dramatisch zu. „Etwa zwei Drittel aller über 80-Jährigen leidet an Osteoporose“, zeigt Univ.-Prof. Dr. Ludger Pientka, Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation an der Ruhr Universität Bochum, Deutschland, anhand eines Beispiels auf.1) Die Osteoporose führt in vielen Fällen zumindest zu einem Verlust der Eigenständigkeit, da die Aktivitäten des täglichen Lebens nicht mehr wahrgenommen werden können. „Die Einweisung in eine Pflegeeinrichtung ist auch immer mit enormen Kosten verbunden“, erinnert der deutsche Gerontologe.
Frakturen.
Neben dem Alter gilt die verminderte Knochendichte als Hauptrisikofaktor für osteoporotische Frakturen. „Ein 50-jähriger Patient mit Osteoporose hat ein 50-prozentiges Risiko, eine Schenkelhalsfraktur zu entwickeln“, mahnt Pientka zu dringender Therapie bei entsprechender Diagnose. Aktuell wird eine antiresorptive Therapie, etwa mit Bisphosphonaten, und eine Substitution mit Vitamin D und Kalzium empfohlen.
Vitamin D, erläutert Univ.-Prof. Dr. Peter Bernecker, Geriatriezentrum der Stadt Wien-Baumgarten, ist essenziell zur Steuerung der Kalzium-Homöostase im Körper. „Kalzium wiederum sorgt für entsprechende Mineralisation und damit Stabilität des Knochens.“ Der Vitamin-D-Metabolismus wird zu einem großen Teil von der Sonneneinstrahlung auf die Haut reguliert. „Durch die Nahrung hingegen“, betont Bernecker, „wird jedoch nur eine sehr geringe Menge an Vitamin D aufgenommen.“
Mangel.
Ein Mangel an Vitamin D, verdeutlicht Bernecker, führe nicht nur zu einer verminderten Knochenmineralisation, sondern auch zu einer Erhöhung des Parathormonspiegels und somit zu einer gesteigerten Knochenresorption. „Klinisch bedeutsam ist die mit Vitamin-D-Mangel verbundene Erhöhung der Frakturrate.“
Aber auch der Muskel ist von einem Defizit des Kalzium-Vitamin-D-Systems betroffen. „Der Muskel benötigt Kalzium, um sich zu kontrahieren“, erinnert Bernecker, „wenn es aber durch ein Defizit zu einer Beeinträchtigung der neuromuskulären Funktion kommt, sind Stürze unausweichlich.“
International gibt es laut Bernecker keinen Konsens für einen Cut-off Point, ab dem von einem „Vitamin-D-Mangel“ gesprochen werden kann. „Allerdings gibt es einen Vorschlag für einen Kennwert, nämlich eine Konzentration von 25-OHVitamin- D im Serum von unter 30ng/ml.“ Bernecker berichtet von aktuellen Studienergebnissen, die zeigen konnten, dass eine Substitution mit Kalzium und Vitamin D nicht nur die Zahl der Stürze, sondern auch die Zahl der Schenkelhalsbrüche vermindern könne.
Substitution.
Eine Kalzium/Vitamin-DSubstitution gilt daher als etablierte Basistherapie bei Patienten mit Osteoporose. Dazu wird in der Regel ein Bisphosphonat verabreicht. Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Dimai, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin, Medizinische Universität Graz, berichtet: „Studien haben gezeigt, dass Bisphosphonate mit großer Wahrscheinlichkeit vertebrale und nichtvertebrale Frakturen verhindern können.“ Als validierte Surrogat-Endpunkte für den Erfolg einer Therapie gelten heute die Knochendichte, aber auch biochemische Marker des Knochenumbaus wie Knochenresorptions- und -formationsmarker.
Knochendichte.
Dimai fasst in seinem Referat die Ergebnisse der FACT-Studie2) zusammen, die die bessere Wirksamkeit des Bisphosphonats Alendronat*) in puncto Knochendichte untermauern konnte. In diese Studie wurden über 1.000 postmenopausale Frauen mit densitometrisch nachgewiesener Osteoporose aufgenommen. Die Patientinnen hatten im Jahr vor Studienbeginn kein Bisphosphonat erhalten. Als Basistherapie wurden alle Patientinnen mit Kalzium und Vitamin D substituiert. Nach Randomisierung erhielten die Frauen entweder das Bisphosphonat Alendronat 70mg einmal wöchentlich oder eine Vergleichssubstanz (Risedronat 35mg, einmal wöchentlich).
Primärer Studienendpunkt war die Knochendichte am Trochanter am Ende des Beobachtungszeitraums von zwölf Monaten. Nach drei und sechs Monaten wurden Zwischenergebnisse erhoben. Dimai kommentiert: „Am Ende des Beobachtungszeitraums, aber auch während der Studie kam es gegenüber der Vergleichssubstanz zu einer signifikanten Verbesserung der Knochendichte und der Knochenmarker unter Alendronat.“
*) Alendronat ist in Österreich unter dem Handelsnamen Fosamax® (Fa. MSD) erhältlich.
1) Satellitensymposium 22.4.2005 im Rahmen des 13. Österreichischen Osteoporoseforums in St. Wolfgang.
2) Rosen CJ et al, Fosamax Actonel Comparison Trial, J Bone Res 19; 24: online publication date Sept 27, 2004
© MMA 2005, ärztemagazin 21/2005





