03. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria
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Patienten haben Anspruch auf Etiquette-based Medicine
Benehmens-Checkliste für den Arzt

Boston – Was bei der Katheterhygiene klappt, müsste doch auch beim Benehmen möglich sein! Ein US-Psychiater schlägt vor, Minimalstandards für anständigen Umgang mit Patienten durchzusetzen.

Mitgefühl und Empathie wären zwar schön, aber so viel erwarten Patienten gar nicht von ihrem Arzt, meint Prof. Dr. Michael W. Kahn aus Boston. Sie wären schon mehr als zufrieden, wenn ihr Doktor mal den Blick vom PC-Bildschirm abwenden, sie als Menschen wahrnehmen und ihnen evtl. sogar ein Lächeln schenken würde. Oder wenn ihnen jemand sagte, warum sie wohin verfrachtet werden.

In den USA zumindest scheint es an respektvollem und aufmerksamem Umgang mit Patienten extrem zu hapern, wie Prof. Kahns Beitrag im „New England Journal of Medicine“ zu entnehmen ist.

Doch ein aus Europa stammender Arzt hinterließ auf den u.a. an der Harvard Medical School tätigen Psychiater bleibenden Eindruck. Als Prof. Kahn selbst Klinikpatient war, imponierte ihm dieser Kollege durch sein Auftreten als „Profi“ und „Gentleman“ – Augenkontakt, Kleidung, Körpersprache, alles war makellos.

In der medizinischen Ausbildung bleibt die „Etiquette-based Medicine“ auf der Strecke, moniert Prof. Kahn. Doch warum zum Teufel sollte es eigentlich nicht möglich sein, angehenden Medizinern gute Manieren einzutrichtern? Schließlich klappt das doch – wenn auch mit anderer Zielsetzung – bei Kaufhaus-Mitarbeitern.

Da entsprechende Bemühungen erst in ferner Zukunft Effekte haben würden, schlägt Prof. Kahn vor, sich für das Hier und Heute am Beispiel einer anderen erfolgreichen Verhaltensintervention zu orientieren: In Intensivstationen war es gelungen, die Rate von Katheterinfektionen um bis zu 66 % zu drücken, nachdem dort verbindliche Checklisten eingeführt worden waren, in denen man Händewaschen, Hautdesinfektion und weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz Punkt für Punkt abhaken musste.

Das Konzept könnte auch beim Benimm klappen. Für das erste Treffen mit einem hospitalisierten Patienten schlägt der US-Kollege vor:

  1. Fragen Sie, ob Sie das Zimmer betreten dürfen, und warten Sie die Antwort ab.
  2. Stellen Sie sich vor, zeigen Sie dem Patienten Ihr Namensschild.
  3. Geben Sie beim Begrüßen die Hand (ggf. mit Handschuh).
  4. Setzen Sie sich. Lächeln Sie, wenn es angemessen erscheint.
  5. Erklären Sie kurz Ihre Rolle im Behandlungsteam.
  6. Fragen Sie den/die Patienten/-in, wie ihm/ihr im Krankenhaus zumute ist.
Für Dr. Kahn ist dies nur ein erster Schritt. Zuerst kommt die Pflicht und dann die Kür. Also sollten sich die Ärzte zunächst auf die Etikette beschränken und später irgendwann – hoffentlich – auch empathische Fähigkeiten entwickeln. abc

Michael W. Kahn, N Engl J Med 2008; 358: 1988 – 1989


© MMA, Medical Tribune • 40. Jahrgang • Nr. 31-34/2008
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