09. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria

Medizin und ich: Kolumne im Überblick

Allen Menschen recht getan …

Ist eine Kunst, die niemand kann. Diesen schönen Spruch habe ich als Kind schon gehört. Auf der einen Seite haben sie mir so etwas erzählt, auf der anderen Seite habe ich natürlich die landesübliche, mädchentypische Erziehung genossen. Mädchen sollen lieb, entgegenkommend und zuvorkommend sein. Sie sollen Harmonie verbreiten und schön versuchen, es allen recht zu machen.

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Und täglich grüßt das Murmeltier …

Alle Sender strahlen ihn mit schönster Regelmäßigkeit aus: Deshalb hat wohl kaum einer den Film nicht gesehen, in dem jeder neue Tag derselbe wie der vorangegangene ist. Die Zeit will einfach nicht weitergehen, und täglich wird dieser ein und derselbe Tag von ein und demselben Murmeltier begrüßt.

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Weniger ist oft viel mehr

Es war einmal die Zeit, da war es für eine Frau richtig gefährlich, zum Gynäkologen zu gehen. Denn hatte sie ein gewisses Alter erreicht und ihre Reproduktionsaufgaben bereits erledigt, konnte man ihre Gebärmutter samt Eierstöcken auf der Liste der bedrohten Arten suchen.

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Der Status post 40

Gerade habe ich gelesen, dass ich auch geistig schon auf dem absteigenden Ast bin. Meine Merkfähigkeit hat angeblich schon nachgelassen, ich bin nicht mehr so flexibel und die Lernfähigkeit wird auch immer mieser. Das finde ich bedrückend. Denn eigentlich kommt mir vor, dass ich ziemlich auf der Höhe bin, hirnmäßig.

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Gut Ding braucht Weile

Vorgestern noch saß ich auf einem Parkbankerl im Garten eines romantischen Castello, umgeben von blühenden Rosen. Neben mir auf der einen Seite der liebste aller Ehemänner und auf der anderen Seite eine Flasche eines hervorragenden Chianti. Die Füße hochgelagert auf einem Mäuerchen schauten wir über das Tal.

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Verlorener Glaube

Als Hausärztin hat man ja ein großes, weites und interessantes Patientenspektrum. Meines umfasst seit letzter Woche auch Furien. Ja, und sie sind genau so schrecklich und furchterregend, wie die Legenden sagen. Ich jedenfalls hab mich gefürchtet. Zumal die Furie sich zwischen mich und die Sprechzimmertür positioniert hat und mich einfach unter lautem Geschrei zirka 20 Minuten nicht aus der Ordination ließ.

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Darf ein Hausarzt auch Bedürfnisse haben?

Gestern war wieder einer von diesen Tagen. Diesen ganz besonderen, an denen ich mich immer frage, warum ich nix Gescheites gelernt habe. Warum bin ich z.B. nicht Tierarzt geworden oder Innenarchitektin oder manchmal noch besser: Eremit. Dabei war weder Vollmond noch Wetterumschwung. Es war ein ganz unschuldiger und lieblicher warmer Sommertag.

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Leben mit Ecken und Kanten

Gestern hat mir eines meiner Mädels im Karatetraining gefehlt. Auf meine Nachfrage erklärte mir ihre Schwester, dass sie im Krankenhaus läge zur Infusionstherapie. Tinnitus. Stressbedingt. Steht die Welt noch? Als ich 19 war, da klagte nur die Großelterngeneration über die kleinen Begleiterchen im Ohr.

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Ist es ein guter Kampf?

Gleich vorweg möchte ich Folgendes anmerken: Mich hat keiner gekauft oder bezahlt. Schon gar nicht die SVA. Wenn ich meine Beiträge anschaue, dann wohl eigentlich eher umgekehrt. Ich bin mal gespannt, wie lange der bürokratisch unbefriedigende Zustand dauern wird. Ich träume ja davon, dass er schon wieder Geschichte ist, wenn Sie diese Kolumne lesen.

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Hab ich sie noch alle?

Seit drei Tagen sitze ich nun in der Ordination mit einer großen schwarzen Sonnenbrille mitten im Gesicht. Erinnern Sie sich noch an die Biene Maja und diese Stubenfliege namens Puck? Das Wesen mit den großen schwarzen, glupschigen, sonnenbrillenartigen Augen? Mein Liebster nennt mich nur noch Puck. Sehr schmeichelhaft.

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Unerwünschte Angebote

Und wieder ist ein anstrengender Arbeitstag vorüber. Voll freudiger Erwartung öffne ich mein Mail-Programm. Ich erhoffe und erwarte Mails von lieben Freunden und interessanten Bekannten, von gestressten Kollegen, die man selten sieht, und gelegentlich auch eines von meinen Verwandten im Ausland.

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Eine späte Erleuchtung

Letztens saß ich auf der Alm am Bankerl vor unserer Hütte und blickte über das Tal. Blumen blühten, die Bäume trugen saftiges Grün, und rund um mich explodierte das Leben an diesem wunderschönen Frühlingstag. Da hockte ich also und war hin- und hergerissen zwischen sitzen bleiben und wandern gehen. Schließlich war Wochenende und das Sportprogramm wollte absolviert werden.

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Das Sterben der Dinosaurier

Die Dinosaurier waren groß und zahlreich und mächtig. Sie waren die Krönung der urzeitlichen Gesellschaft. Und sie sind ausgestorben. Um dieses traurige Ereignis ranken sich diversliche mehr oder weniger wissenschaftliche Theorien. Vielleicht waren sie zu unflexibel oder zu hungrig. Vielleicht ist auch wirklich ein Meteorit vom Himmel gefallen.

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Achtung, Problemverschieberei!

Vor mir sitzt Dr. B., ein junger Kollege aus einem chirurgischen Fach, zum therapeutischen Gespräch. Er ist mit dem Leben fertig, sozusagen. Die Überarbeitung, das Betriebsklima und die Sinnlosigkeit seines Daseins machen ihn kaputt. Er will auch nicht so wie (angeblich) der Rest der Abteilung Psychopharmaka schlucken.

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Schmaler Grat der Normalität

Nicht informiert zu sein bedeutet dämlich und desinteressiert zu sein. Zu viel informiert sein zu wollen ist eine Krankheit und heißt dann z.B. „Internet Print-out Syndrome“. Und dazwischen spielt sich die Gratwanderung ab. Ganz leicht kann man entweder so oder so zu den „Depperten“ gehören.

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Das Lächeln mit der Seele

Mindestens 20 Prozent der österreichischen Ärzte und Ärztinnen zeigen Burnout-Symptome, und jeder bzw. jede zweite zeigt zumindest eine Burnout-Gefährdung, lässt sich in der Ärztezeitschrift lesen. Warum dann – wie auf der nächsten Seite steht – die über 70-jährigen Kollegen ihre Kassenverträge nicht hergeben wollen, ist mir schleierhaft.

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Seid stolz auf euch!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in Grippezeiten gehen mir die Hausbesuche manchmal auf die Nerven. Nicht dass ich was gegen kranke Menschen hätte. Die sind schließlich mein Job. Ich habe auch nichts gegen Hausbesuche, obwohl ich zugebe, dass diese auf der Beliebtheitsskala meiner Arbeiten ganz unten stehen..

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Bitte nicht wundern...

Wir Niedergelassenen können den Kollegen und Kolleginnen im Krankenhaus ihren Frust über unmögliche Arbeitszeiten und Belastungen meist recht gut nachfühlen. Dunkel erinnern wir uns noch mit Schaudern an niemals enden wollende Wochenenddienste von Freitagmorgen bis Montagabend, an Weihnachten ohne Christkind, Silvester mit Pizza und Fusel im Pappbecher, und versäumte Osterhasen.

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Warnung an die Kollegen

Heute habe ich mir erstmals überlegt, ob und wie ich die Möglichkeit habe, einen Patienten loszuwerden. Mir gegenüber saß Herr M. und wollte ein Pantoloc. Ich erklärte ihm, dass es mittlerweile ebenbürtige und billigere Generika gäbe und wir doch alle den Kassen beim Sparen helfen sollten.

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Natürlich der „Herr Doktor“

Der Herr Doktor ist männlich, so wie der Herr Pfarrer und der Herr Bischof. Das ist so, und offensichtlich hat es auch so zu bleiben. Amen. Das erleben wir in unserer neuen Ordination gerade wieder. Ich habe nämlich abgesehen von einer wunderbaren Ordinationsassistentin auch meinen Mann für ein paar Tage pro Woche angestellt.

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Die Medizin wird weiblich

"Die Medizin wird weiblich“, habe ich kürzlich gelesen. Meine Reaktion darauf: „Jessasmariaundjosef, des is goar net guat.“ Sinngemäß für den Nichtsteirer: „Um Himmels Willen, dies ist unerfreulich.“ Bevor Sie, liebe engagierte Kollegin, diesen Artikel enttäuscht weglegen und beschließen, nie mehr etwas von mir zu lesen, oder Sie, lieber Kollege aus dem Macho-Lager, sich genüsslich zurücklehnen und ich Ihnen doch noch sympathisch werde, geben Sie mir noch die Chance, mich zu erklären.

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Wehret den Anfängen!

Meiner Meinung nach ist es allerhöchste Zeit für den Aufstand der Dicken! Es reicht ja schon, dass Übergewichtige und Fettleibige in unserer Gesellschaft immer mehr diskriminiert werden. Ihnen werden Dummheit, Nachlässigkeit, mangelnder Ehrgeiz, Hässlichkeit und vieles mehr attributiert. Dabei war es vor hundert Jahren zumindest für die Männer noch so, dass Bauch Ansehen machte, dass man einen „gewichtigen“ Mann respektierte und dass „No Sports“ durchaus ein akzeptiertes Lebensmotto sein konnte.

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Warum Datenschutz überflüssig ist

Haben Sie sich schon mal bei Facebook und im StudiVZ umgesehen? Oder die vielen privaten Homepages besucht, wo die Leute ungeniert ihre Urlaubsfotos ins Netz stellen, so dass alle lieben Freunde sie auch bewundern können? Nur eben nicht nur diese. All die vielen Einträge, die preisgeben, in welchen finanziellen Umständen die Leute leben, was sie arbeiten, wie sie aussehen und wie groß ihre Oberweite ist? Und wer sich nicht im Netz präsentiert, reißt sich sicher darum, seine Daten bei Billa, Bipa und Stiefelkönig offenzulegen, um ein paar Promille Rabatt zu erhalten.

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Ärzte in der Krise?

Alles befindet sich im Wandel. Das muss per se noch nichts Gutes sein, aber allerdings auch nichts Negatives. Es ist auf jeden Fall eine Chance. Erfahrungsgemäß tun sich gewisse konservative Gesellschaften wie die katholische Kirche, die Wiener Philharmoniker und auch die Ärzteschaft etwas schwerer mit dem Wandel als andere. Über Kirche und Philharmoniker will ich mich nicht auslassen. Mein Interesse gilt einem anderen „Traditionsunternehmen“, nämlich meinem illustren Berufstand.

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Noch kapituliere ich nicht

Heute hat mich jemand gefragt, ob ich auch einen guten Neujahrsfortsatz hätte. Klingt irgendwie lieb, so ein Neujahrsfortsatz. Ein bisschen allerdings wie Wurmfortsatz und damit potenziell nach Ärger. Dabei habe ich noch nicht einmal nachgedacht, über das neue Jahr.

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Die Jungs von der EDV

Irgendwie habe ich offensichtlich eine unsichtbare Linie überschritten und bin plötzlich alt geworden. Nein, ich meine damit nicht, dass ich den 40. Geburtstag hinter mir habe und die Dermatologin mir eindringlich versichert, dass es jetzt schon wirklich allerhöchste Eisenbahn sei, um mit Botox zu beginnen. Auch die Tatsache, dass der einzige Laden, in dem ich noch geduzt werde, Ikea ist, wo das aber mit jedem gemacht wird, ist für mich in Ordnung. Ich leide auch nicht darunter, dass ich nicht bei Facebook bin oder dass ich bei Wikipedia nachsehen muss, was eigentlich twittern bedeutet.

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Gibt es ein Baumarkt-Syndrom?

Endlich haben wir die erste Baustelle so einigermaßen fertig. Und wir könnten tatsächlich schon genüsslich in unserer Wohnung wohnen, wäre da nicht die zukünftige Ordination, d.h. die zweite Baustelle. Die, die im Moment jede von sonstiger Arbeit freie Minute beansprucht.

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Intimitäten mit der Bank

Als frischgebackene Penthousebesitzerin (Besitzerin ja, aber Eigentümerin ist die Bank) und zukünftige Kassenärztin in einer wunderbaren Ordination in einem wunderschönen Grazer Bezirk bin ich seit Neuestem ein Lieblingskind meiner Bank. Alle überschlagen sich dort vor Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, wenn sie mich sehen.

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Essen ist lebensgefährlich

Gerade habe ich eine der Zeitschriften aus meinem eigenen Wartezimmer erwischt und darin geblättert. Ich bin an einem Artikel über das Essen und seine Anomalien hängen geblieben. Was sind wir doch gestört! Ich habe da ganz viele neue Essstörungen kennen gelernt, die mir bis dato völlig fremd waren.

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Der Teufel an der Wand

Kürzlich hat mir ein befreundeter Richter eine wirklich feine Anekdote erzählt. Jemand hat seinen Zahnarzt geklagt wegen Vernachlässigung der Aufklärungspflicht, obwohl ihn dieser lege artis und wunderbar behandelt hat und alle Beißerchen perfekt in der Kauleiste sitzen. Also der Kollege von der bohrenden Zunft hat alles wunderbar gemacht, nur offensichtlich nicht genug darüber gesprochen. Wie heißt es so schön: Tue Gutes und rede darüber!

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Der entspannte Herr Wischi-Waschi

Letzte Woche habe ich mich noch darüber beschwert, wie stressig mein Leben im Augenblick sei. Da wären: Umbau neue Wohnung, Umbau alte Wohnung, siedeln, neue Ordi planen, Mann im Krankenhaus, Fliesenleger nicht gekommen, Tischler dann auch nicht, Glasdach auf Terrasse nicht montierbar, weil Hausdach doch nicht Stahlbeton, sondern Holz, großes Auto in mein kleines Auto gefahren und Fahrrad kaputt. Dabei hatte ich da noch gar nicht das, was ich jetzt habe: einen Wasserschaden in der Ordi.

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Andere Länder, andere Sitten

In unserem heurigen Urlaubsdorf an der ligurischen Küste gab es eine Apotheke. Dort bekam man Aspirin, Mückenschutzmittel, Kondome, Schwangerschaftstests (falls die Gummis doch nicht so gut waren?), ein paar Antibiotika und: Elektrokardiogramme. Nicht dass wir jetzt irgendwas aus dem seltsamen Sortiment benötigt hätten, aber über die EKGs waren wir doch sehr erstaunt.

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Als Patient wird man zum Kind

Ich frage mich, ob diejenigen, die im Moment ganz laut nach kompletter und rücksichtsloser Aufklärung unserer Patienten schreien, schon selbst mal Patient waren. Patient sein macht einen nämlich nicht zum Partner des Arztes, sondern ganz schnell zum Kind. Und dieses hat Angst und will Sicherheit und Trost und Geborgenheit. Oder es ist ganz einfach nur überfordert mit dem Bedürfnis des Arztes, die Entscheidung zu teilen und damit natürlich auch die Verantwortung abzuwälzen. Keiner will mehr an irgendetwas schuld sein, und jeder hat Angst vor dem Anwalt des anderen.

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Scheitern ist was für Loser

Unlängst war ich auf einer Trainerfortbildung über mentales Training. Klingt schweißtreibend, heißt aber mehr oder minder: Ich leg mich auf die faule Haut und trainier im Geiste. Stark vereinfacht natürlich, denn im Liegen funktioniert es nicht, man muss schon in aufrechter Körperposition verharren, damit die Muskulatur sich foppen lässt. Und man bekommt ganz offiziell den Auftrag, Selbstgespräche zu führen.

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Ohne Rüschen, aber mit altem Ring

Vor genau zehn Jahren fragte mich der liebste aller Männer: „Willst Du mich heiraten?“ Wie sich das gehört, wurde die Frage auch unterstützt von einem hübschen Ring mit Funkelsteinchen. Ich sagte ohne zu zögern: „Ja!“ (Was ich nicht dazu gesagt hatte, ist: Wann?) Also zogen die Jahre ins Land und trotz aller gefangenen Brautsträuße blieben wir resistent gegenüber aller Romantik.

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Eine vierpfötige ägyptische Göttin

Eines Tages saß ein wunderschönes Tier mit unergründlich smaragdgrünen Augen und dem edlen Knochenbau einer ägyptischen Göttin auf unserer Türschwelle. Allerdings so zart und ausgehungert, dass sie nicht viel mehr als anderthalb Kilo haben konnte. Bei genauem Hinsehen stellte ich fest, dass es auch eine ziemlich schwangere Göttin war. Mit einem Mal setzten alle Beschützerinstinkte inklusive der automatischen inneren Ärztin ein.

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Von wegen freier Beruf

Der Arzt/die Ärztin, der/die alleine bzw. nur flankiert von ihren Ordinationshilfen in der Praxis werkt, soll ein Auslaufmodell werden. Denn er/sie ist unrentabel, bringt zu wenig Leistung für die Patienten und hat zu kurze Öffnungszeiten. Also weg mit ihm/ihr zum Wohle unserer Patientenversorgung. Gruppenpraxen oder ambulante Versorgungszentren müssen her.

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Auf der anderen Seite

Haben Sie schon einmal überlegt, warum es Ratschlag heißt, wenn uns jemand mit seiner Weisheit füttert? Ich habe jetzt herausgefunden, warum. Weil es einen nämlich hart treffen und im Extremfall sogar umhauen kann. Als Arzt ist man ja für gewöhnlich auf der Seite, von der aus diese wohlgemeinten Backpfeifen verteilt werden.

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Über Tortillas, Tacos und Montezumas Rache

Wenn ich vor Vorfreude strahlenden Menschen gegen Hepatitis und Typhus impfe, während sie ihrem Strand in der Karibik oder ihrer Trekkingtour durch Indien entgegenträumen, entwickle ich richtig boshafte Züge und bedenke sie mit ausgesuchten eigenen Urlaubsanekdoten.

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Nur Dienst am Patienten?

Ich bekomme täglich mit, dass immer noch nicht genug Dienst geleistet ist. Es beginnt damit, dass ich Anregungen bekomme, dass ich meinen Warteraum aufpeppen sollte. Eine Kaffeemaschine wäre ja das Mindeste, sagte mir einmal eine Patientin. Dann kommen da noch die Empfehlungen in Richtung Multimedia-Wartezimmer.

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Müll ohne Ende

An manchen Tagen plagt mich das schlechte Umweltgewissen. Ich gehöre nun wirklich nicht zu den Leuten, die um jeden Preis zurück zur Natur wollen.

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Bin ich kein Schatz?

Meine mündigen Patienten machen gerade einen anderen Wandel durch. Manchmal hätte ich gern was Göttliches in Weiß an mir oder zumindest die gleiche liebevolle Wertschätzung, die man der Putzfrau entgegenbringt.

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Was Neues zum Gruseln

Es ist noch nicht allzu lange her, da schockte ein Enthüllungswerk Österreich: Unsere Spitäler seien nicht sicher, ganz im Gegenteil. Reihenweise würden Patienten unbewusst oder auch absichtlich verletzt und sogar gemeuchelt. Die Wogen haben sich etwas geglättet.

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Ich ergreife die Flucht

Vor meinem Zimmerfenster tobt ein Kampf: der Krieg einer Baufirma gegen einen der letzten unbebauten Grünflecken in meinem Bezirk. Der Gewinner: klarerweise das Bauunternehmen. Igel, Katzen, Fledermäuse und diverse Vogelarten sind entweder beim Kelleraushub platt gewalzt worden oder haben noch gerade rechtzeitig die Flucht ergriffen.

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Ab wann ist man zu alt?

Viele Menschen haben Endoprothesen, vor allem in der Hüfte. Und egal wie gut die Dinger sitzen, sie können sich bei ungeeigneten Turnübungen schon mal aus der Halterung katapultieren. Ich jedenfalls hatte noch nie einen Patienten, der das Problem der Prothesenlockerung beim Sex angesprochen hat. Haben die keine Angst davor oder wohl eher keinen Sex, frage ich mich.

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Es ist nur eine Frage der Priorität

Vor zwei Nächten schreckte ich plötzlich um ein Uhr aus dem Tiefschlaf, geweckt von dem Gefühl einer unendlichen und unvorstellbaren Übelkeit. Die ganze erste Stunde, die ich über der Kloschüssel hing, dachte ich: „Lieber Gott, lass mich bitte nicht sterben!“

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Für die wahre Liebe

Letztens habe ich mir wieder einmal ein romantisches Filmchen angeschaut. Es war einer dieser Tage, die danach schreien, den Abend auf der Couch zu verbringen. Mit vielen weichen Polstern und kuscheligen Decken. In der Hand entweder einen schönen Caffè latte oder ein gutes Glas Rotwein.

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Bitte nur keine Panik!

Ein Buch schockt die Medizinwelt: Angeblich sterben in Österreich ein paar tausend Menschen jährlich nicht trotz unserer gut gemeinten Behandlungsversuche, sondern genau daran. Und das ruft in der Bevölkerung wechselnde Reaktionen hervor.

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Wo wären wir ohne Melancholie?

Wir träumen vom bauchlosen Federgewicht, gestrafften Minititten und ausdefinierter Muskulatur. Rubens hätte uns hässlich gefunden und ernsthaft krank. Dann hätte er uns sofort seinem Leibarzt vorgestellt. Und wir wären schön aufgepäppelt worden.

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Schutzlos in freier Wildbahn

Manchmal frage ich mich, wie ich jemals meine Kindheit überleben konnte. Bis auf ein paar aufgeschürfte Knie und ein halbes Dutzend gut verheilter Knochenbrüche oder Bänderrisse ist mir nichts geschehen. Beim Reiten trug ich natürlich einen Helm, aber ansonsten konnte ich Sport und Bewegung in völliger Freiheit genießen. Frei von Körperpanzerungen, Bein- und Armschienen, Kopfschützern und Ähnlichem.

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Lilith versus Eva

Bekanntlich schuf Gott Adam, und damit dieser nicht so alleine war, Eva als Gefährtin. Diese hatte keine großartige Herkunft vorzuweisen. Außerdem musste sie dem Manne untertan sein. Und da sie daheim nichts zu reden hatte, fand sie einen kommunikativen Freund in der Tierwelt (Schlange). Und als dieser ihr riet, den Holden gesünder zu ernähren, geriet ihr Leben erst so richtig zum Fiasko. Sie wurde bestraft, verbannt, mit Schmerzen gequält und war nackt. Alle Frauen wissen, dass es furchtbar ist, wenn sie nichts zum Anziehen haben!

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Angst vor Big Brother

Ich liebe die Segnungen der modernen IT-Welt! Prinzipiell ist das www eine wunderbare Idee. Wenn alle dadurch verbundenen Menschen wunderbare Menschen wären. Da sie das aber nicht wirklich sind, ist in der ganzen Sache leider der Wurm drin (und zwar wwweltweit und nicht nur in Kärntens Krankenhauscomputern).

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Bitte nicht füttern!

Ein neues Ideal wurde geboren: Size zero. Größe null. Abgesehen davon, dass mich wahrscheinlich 20 kg und mehrere Körbchengrößen davon trennen, frage ich mich, wie sich eine Frau danach sehnen kann, „to be a size zero“. Klingt umwerfend, auf die Frage: „Was bist du?“ zu antworten: „Oh, ich bin eine Null.“ Klingt irgendwie so nach: Ich bin nix, ich bin ja eigentlich gar nicht da.

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Was rate ich bloß meinen Patienten?

Manchmal frage ich mich, was mich geritten hat, als ich mir „Ernährungsberatung“ auf mein Schild dazuschreiben ließ. Denn die Geschichte ist ein Fass ohne Boden. Und ich meine damit nicht die Schwierigkeiten, die man so manchmal mit adipösen Zeitgenossen hat, die 14 Hamburger für eine einzige Mittagsportion halten.

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Rettet den gesunden Menschenverstand

Gerade habe ich eine wilde Putzorgie hinter mich gebracht. Vor lauter Angst, wohl ganz sicher allen Hygienevorschriften zu genügen, ist meine Ordi jetzt so sauber, dass es wahrscheinlich hygienischer wäre, von meiner Klobrille zu essen als von einem Teller in so manchem Haubentempel.

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Wir haben endlich wieder Wasser

Ich liebe Feiertage: Weihnachten, Ostern, Pfingsten – ganz egal. Aber am liebsten habe ich Weihnachten. So viele Tage ohne Arbeit, ohne geöffnete Geschäfte und ohne Stress. Also kuschelten wir am Morgen des Weihnachtstages gemütlich im Bett voll der Vorfreude auf Tannenbaum, Geschenke und das Weihnachtshuhn. Mein Liebster brät an jenem Abend alljährlich den zeremoniellen Gummiadler.

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Rote Rüben sind auch gesund ...

Vor einiger Zeit war ich auf einer Ärzte-Fortbildung zum Thema Sport. Wahrscheinlich muss ich meine Einstellung zum Sport sowieso revidieren. Denn nach diesen Vorträgen zweifle ich daran, ob ich jemals wirklich und echt Sport betrieben habe, denn offensichtlich braucht man dazu ein Ergometer. Ich steh dazu, Ergometer kommt mir keiner ins Haus, er würde nicht zu den Möbeln passen und Kleiderständer habe ich auch schon einen.

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Weihnachten hat viele Gesichter - und heuer machen wir ein langes und trübsinniges dazu. Wir legen die Stirn in Falten und fürchten uns vor der stattfindenden und kommenden Krise. Und als gelernte Österreicher praktizieren wir ausgiebig unsere Königsdisziplin: Wir jammern. Wir gehen auf Sektempfänge und Weihnachtsfeiern, haben den Bauch voll mit Roastbeef, Schnitzel und Keksen und den Kopf voller Prosecco und Cabernet und jammern, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen.

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Wenn Mann heutzutage einfach nur normal gesund und sexuell aktiv ist, fühlt er sich womöglich nicht genügend. Also muss die kleine blaue Pille her. Nur Sex ist zu wenig, eine spektakuläre Performance will geboten werden. Wer sich’s in der Apotheke nicht leisten kann, kauft übers Internet.

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Weihnachten hat was, das kein anderer Tag im Jahr kann. Ein Stück Hoffnung und Erwartung, eine Möglichkeit, wieder von vorne durchzustarten. Ich überlege mir, was ich mir am meisten wünsche.

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Womit lässt sich am besten konkurrieren? Wenn Sie sich einmal für eine halbe Stunde in ein Café oder in ein öffentliches Verkehrsmittel setzen, finden Sie es sofort heraus. Das ultimative Statussymbol heißt Krankheit.

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"Und tu schön brav das Bett hüten!", sagt mir mein Chefredakteur zum Abschluss unseres Telefonats. An seinem Ende der Leitung im Hintergrund Straßenlärm und die Geräusche einer pulsierenden, lebendigen Großstadt. An meinem Ende der Leitung ein Gespräch unterbrochen von bellendem Husten und äußerst undamenhaft aufgezogener Nase.

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Ich hatte mal eine Zahnklammer. Seitdem kann ich es kaum ertragen, wenn mich jemand mit einem Deckbiss freundlich anlächelt oder gar mit einer verschobenen Zahnreihe anstrahlt. Ich empfinde dann das dringende Bedürfnis, diesen armen Menschen zu beraten und zum Kieferorthopäden zu schicken. Alles außer Perfektion ist nur schwer zu ertragen.

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Vor vielen Jahren war ich auf einer Notärztetagung und bekam bereits im ersten Vortrag erklärt, dass Hausärzte Trottel seien. Es ging ums Lungenödem: „Wir kommen hin, entlegener Bauernhof, Patient blau, dyspnoisch, kriegt kaum noch Luft, und wir hören ihn bereits durch die verschlossene Tür hindurch rasseln. Und der Hausarzt hat ihm ein Hustensafterl verschrieben. Wir kennen doch alle diese Situation.“

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Stellen Sie sich vor, Sie sind ein gesunder Erwachsener und gehen irgendwann zu einer Gesundenuntersuchung. Als gesunder Mensch betreten Sie frohen Mutes die Ordination. Wenn Sie ein paar Tage später zur Besprechung Ihrer Laborergebnisse, Lungenfunktion und Blutdruckwerte kommen, erklärt Ihnen Ihr Hausarzt, was alles nicht mit Ihnen stimmt.

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Es ist völlig klar, dass Leben Veränderung benötigt, dass Wachstum Veränderung bedeutet. Mir kommt nur in letzter Zeit vor, dass wir in unserer Welt ein bisschen mit der Huldigung an die Veränderung übertreiben.

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Kürzlich stehe ich in einer Boutique und betrachte entzückt ein gefüttertes Lederjäckchen. Die Herrlichkeit hat Größe 34, wobei ich sogar zweifle, dass sie meiner zwölfjährigen, leicht anorektischen Großkusine passen würde. Ich frage die Verkäuferin, ob sie das Ding auch für Erwachsene hätten, und sie meint: „Nicht in diesem Bereich hier, Übergrößen führen wir bei den Marken“.

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Ich frage mich gerade, wie ich es vor fünfzehn Jahren geschafft habe, zu überleben. Und nicht nur das. Ich hatte auch Freunde, mit denen ich regelmäßig kommuniziert, Termine ausgemacht und sie dann sogar getroffen habe. Ich war im Urlaub, habe Flüge gebucht, Parkscheine ausgefüllt und Geburtstagsgrüße verschickt. Und das alles ohne. Ein mittlerweile unvorstellbarer Gedanke. Wenn ich die Wohnung verlasse, kontrolliere ich, ob ich wohl eh mein Handy dabei hab.

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Es werden Dinge publiziert, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob die daran Forschenden einfach nur zu viel Zeit haben oder ob sie noch dringend ihren Forschungsetat verbraten müssen. Ich bin mir sicher, dass die meisten Diabetologen nichts dagegen haben, ein zwanzigjähriges D-Körbchen genau zu beobachten.

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Ich liebe das Wort Kompetenz, zumal wenn es im Zusammenhang mit dem Wort Hausarzt erklingt. Das vermittelt so richtig ein Gefühl von Wichtigkeit. Und wenn wir uns dann unserer Kernkompetenzen besinnen oder die hausärztlichen Kompetenzen gestärkt werden sollen, wird mir so richtig warm ums Herzerl. Irgendwas scheine ich verpasst zu haben, denn das Einzige, was sich in meinem hausärztlichen Leben verdoppelt hat, sind die Stapel von Papierkram und die Rechnungen für die EDV.

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Ich bin Ärztin, d.h. Politik kann meinen Arbeitsplatz gefährden. Ich bin selbstständig, d.h. Nebenwirkungen von Gesetzesänderungen können weite Kreise in meinem Leben ziehen. Ich bin gesund, kann aber krank werden und will dann den Arzt oder Apotheker fragen, wie es im Beipack steht. Und zwar denjenigen, den ich mir selbst ausgesucht hab. Und ich werde einmal alt und klapprig sein, und daran wollen wir erst gar nicht denken. Die derzeit besterscheinende Lösung ist, rechtzeitig einen kleinen Vorrat an Fentanyl etc. anzulegen und zu horten.

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Woran erkennt man bei uns daheim, dass es Sonntagmittag ist? Daran, dass pünktlich mit dem Läuten der Glocken der nahe gelegenen Kirche über unseren Köpfen ein zuerst leises, dann immer heftiger werdendes Hämmern erklingt. Nach zirka zehn Minuten wie zum Trommelwirbel gesteigert wird das Ganze von einem Schlagbohrer abgelöst, der sich durch die Betonwände quält.

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Herrn K. geb ich nicht her

Ich kann einfach nicht begreifen, warum man einem Patienten sagen kann: Sie haben die Krätzmilbe oder eine Blinddarmentzündung, Sie haben einen Hodentumor, eine Lungenentzündung, die Gonorrhö oder Borreliose, einen hohen Blutdruck oder einen Scheidenpilz. All das kann man dem durchschnittlich intelligenten und freundlichen Patienten mitteilen und ihm gleich dazu noch Therapiemöglichkeiten vorschlagen. Nicht so bei Diabetes oder Adipositas.

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Haben Sie sich schon einmal ausgerechnet, wie viele Wochen Sie zusätzlich auf Urlaub fahren könnten, wäre da nicht der Kredit für die Anschaffung von Hardware und Software, Netzwerkverkabelung und Zubehör sowie die laufenden Ausgaben für Programm-Updates und Wartung? Oder wie viele Gramm Betablocker Sie nicht hätten schlucken müssen, weil das Sch…kastl schon wieder nicht anspringt und die Patienten bereits einen Rammbock gegen die Orditür einsetzen?

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Heuer werde ich vierzig, ein Schicksal, das ich mit 007 Daniel Craig und der Medical Tribune teile. Herr Craig ist ungeachtet seines Alters noch ziemlich knackig, und die MT immer noch sehr interessant und aktuell. Vierzig ist monströs. Keiner kann sich als Jugendlicher vorstellen, jemals so alt zu werden. Und das auch noch so schnell. Und dass jemand mit vierzig trotzdem noch gerne lebt. Vierzig ist statistisch gesehen auch so was wie Halbzeit.

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Meine beste Freundin hat mir letztens erzählt, dass sie gerade eine Begehung ihrer Kanzlei durch einen Beauftragten der AUVA hinter sich gebracht hatte. Na ja, das kann ja so schlimm nicht gewesen sein, denke ich, denn ich kenne die Büros. Ich wurde aber eines Besseren belehrt.

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Kolumne von Dr. Ulrike Stelzl, Kassenärztin für Allgemeinmedizin in Graz