WIEN – Bei der Diskussion zur Reform des Gesundheitswesens vor dem Sommer ist auch vielfach die Qualität der ärztlichen Aus- und Fortbildungsstandes kritisiert worden. Die Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten (ÖGI) hat den 1. Europäischen Antibiotikatag zum Anlass genommen, einen anonymen Fragebogen zur Erhebung des Bedarfes an infektionsspezifischen Fortbildungen zu erheben. Wir sprachen mit Univ.-Prof. Dr. Florian Thalhammer, dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten.
MT: Was bezweckt die ÖGI mit dem
Fragebogen?
Prof. Thalhammer: Für die tägliche
Arbeit in der Praxis ist eine kontinuierliche
und permanente Ausund
Weiterbildung notwendig und
für uns Ärzte eine Selbstverständlichkeit.
In letzter Zeit wurde vermehrt
sowohl die Qualität als auch
die Quantität sowie auch die Kontrolle
des Aus- und Fortbildungsstandes
von Ärzten kritisiert. Der
Sinn dieser flächendeckenden Fragebogenaktion
besteht darin, das
Angebot an den konkreten Bedarf
an Fort- und Ausbildungsveranstaltungen
zu adaptieren.
MT: Wie gut ist das Wissen um den
Einsatz von Antibiotika?
Prof. Thalhammer: Der richtige
Umgang mit Antibiotika ist schon
von Beginn der ärztlichen Ausbildung
an ein eminent wichtiger
Punkt, um rechtzeitig dem weiteren
Anstieg resistenter Erreger
bzw. den stetigen Veränderungen
der krankheitsauslösenden Keime
(z.B. im Sinne der Antibiotikaresistenzentwicklung)
kalkuliert begegnen
zu können.
MT: Im Fragebogen der ÖGI sind
auch sehr knifflige Fragen eingebaut
...
Prof. Thalhammer: Im Fragebogen
sind teilweise äußerst schwere
Fragen vorhanden, und es ist vorgesehen,
dass man nicht jede Frage
sofort beantworten kann. Wir
haben den Fragebogen zu Testzwecken
vorab einigen niedergelassenen
Allgemeinmedizinern
vorgelegt. Bei einigen Fragen fühlten
sie sich sehr sicher, andere
konnten aus der Logik heraus beantwortet
werden, einige waren
„Neuland“. Meine Bitte an die Kollegen
und Kolleginnen: Bitte füllen
Sie Testbogen ohne Rücksicht auf
Verluste spontan und ohne vorheriges
Nachlesen aus. Nur so erfahren
wir den derzeitigen Wissensstand,
je nach Vorgeschichte in
Bezug auf Fortbildung, beruflich
alltäglicher Anforderung, Interessenslage
etc.
MT: Wer steht hinter dem Fragebogen?
Prof. Thalhammer: Die Aktion ist
nicht von der pharmazeutischen Industrie
gesponsert, sondern die Kosten
für die Aktion werden zu 100 %
von der Österreichischen Gesellschaft
für Infektionskrankheiten getragen.
Aus diesem Grund steht auch
kein Werbebudget zur Verfügung,
das es uns erlaubt, hinausgehend
über diese motivierenden Zeilen um
eine rege Teilnahme zu bitten.
MT: Wer wird befragt?
Prof. Thalhammer: Die Fragebogenaktion
wird unter AllgemeinmedizinerInnen,
TurnusärztInnen
und Adressaten der Veranstaltungsreihe
„Giftiger Dienstag“ – „Giftiger
Samstag“ durchgeführt, daher
ist zur Unterscheidung der teilnehmenden
Adressaten die Verwendung
eines Codes notwendig. Dieser
wird für die Turnusärzte jeweils
vom Spital ausgegeben oder extra in
einem Mailing verschickt. Die Leser
der Medical Tribune brauchen
keinen speziellen Code verwenden.
Der Fragebogen kann anonym online
ausgefüllt werden. Es gibt aber auch
die Möglichkeit, für den Test zwei
DFP-Punkte zu bekommen. Für jeden
vollständig ausgefüllten Fragebogen
werden zwei DFP-Punkte anerkannt,
wenn mehr als zwei Drittel
der Fragen richtig beantwortet werden.
Dafür muss aber die Arztnummer
eingetragen werden.
Das Gespräch führte Thomas Stodulka.







