Uterusmyome sind gutartige Tumore der glatten Uterusmuskulatur. Die Entstehungsursachen sind nicht eindeutig geklärt, nachgewiesen ist aber, dass ihr Wachstum durch Östrogene stimuliert wird.
Das spiegelt sich auch in der Häufigkeitsverteilung bezogen auf das Alter wider: „Frauen ab der Pubertät bis zur Menopause sind betroffen, wobei die höchste Inzidenz um das 40. Lebensjahr zu beobachten ist“, so Dr. Thomas Kröncke von der Klinik für Strahlenheilkunde am Campus Virchow Klinikum in Deutschland. Das Forscherteam unter seiner Leitung befasst sich bereits seit 2000 mit dem Krankheitsbild des Uterusmyoms.
Nach der Menopause entstehen im Allgemeinen keine neuen Myome mehr, viel mehr bilden sich bestehende Myome nach dem Wechsel wieder zurück. Bis zu 25 % der Frauen zeigen keinerlei Symptomatik. Bei diesen Patientinnen ist keine Therapie notwendig, es wird aber eine regelmäßige Kontrolle in halbjährlichen Abständen empfohlen.
Symptomatische Myome
Bei symptomatischen Patientinnen
stehen vaginale Blutungen im
Vordergrund der Beschwerden. Diese
können je nach Anzahl und Größe
der Myome unterschiedlich stark
auftreten und sind in vielen Fällen
mit akutem Unterbauchschmerz
verbunden. „Die Patientinnen berichten
von einem plötzlichen
Schmerz in der Unterbauchregion,
häufig verbunden mit starker vaginaler
Blutung, die oftmals fälschlicherweise
mit der Menstruation in
Verbindung gebracht wird“, berichtet
Dr. Kröncke. Es kommt zu Hypermenorrhöen
oder Menorrhagien
bzw. Metrorrhagien.
Dieser verstärkte und verlängerte Blutverlust kann längerfristig zu einer Anämie führen. Große Myome führen oftmals durch Druck auf benachbarte Organe zu unspezifischeren Symptomen wie Kreuzschmerzen (durch Druck auf die Nervenaustrittsstellen des Beckens), Obstipation und Probleme beim Harnlassen.
Bei solchen symptomatischen Myomen, aber auch bei sehr großen oder gestielten Myomen, bei sehr schnell wachsenden Myomen, bei Verdacht auf Malignität oder bei anderen schwerwiegenden Komplikationen (Organbeeinträchtigungen, Infektionen) war bisher die Hysterektomie die Therapie der Wahl. Das bedeutete für die Patientinnen nicht nur die vollständige Entfernung des Uterus, sondern auch eine Konfrontation mit schweren postoperativen Nachwirkungen. Diese können Depressionen, ein erhöhtes Osteoporose-Risiko, Beeinträchtigungen im Sexualleben und somit auch Identitäts-und Partnerschaftsprobleme umfassen.
„Viele Patientinnen berichten davon, sich nach der Hysterektomie nicht mehr ‚als ganze, richtige Frau‘ zu fühlen“, erzählt Dr. Kröncke. Auf Grund dieser massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität und der allgemeinen Risiken einer Operation wurde die letzten Jahre fieberhaft nach einer psychisch weniger belastenden und nicht chirurgischen Therapieoption gesucht.
Wenig invasiv und
ohne Vollnarkose
Mit der Uterus-Arterien-Embolisation,
die weltweit immer häufiger
in speziellen Zentren zur Behandlung
von symptomatischen Myomen
eingesetzt wird, wurde schließlich
eine wenig invasive, risikoarme
und wesentlich schonendere Therapiealternative
gefunden. „Die Embolisation
von Uterusmyomen wurde
ursprünglich durchgeführt, um den
Blutverlust, der bei der operativen
Entfernung häufig entsteht, zu vermindern.“,
beschreibt Dr. Kröncke
die Entstehung der UAE. „Dabei beobachtete
man, dass sich die Beschwerden
der Patientinnen nach
der Embolisation deutlich besserten
bzw. vollständig verschwanden.“ Auf
dieser Entdeckung basierend wurde
der Anstoß für eine therapeutisch
genützte Embolisation gesetzt.
Der Ablauf der UAE ist wenig invasiv, und es ist keine Vollnarkose notwendig. Zur exakten Darstellung der Myome und ihrer Gefäßversorgung wird vor dem Eingriff eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.
Zur Embolisationsvorbereitung erhalten die Patientinnen einen intravenösen Zugang, über den ein Opioid mit einem kurzwirksamen Benzodiazepin (z.B. Midazolam und Piritramid) appliziert wird. Nach Lokalanästhesie wird ein arterieller Zugang über die Arteria femoralis gesetzt, über die eine Sonde bis zur Arteria uterina vorgeschoben wird. Anschließend erfolgt die Applikation des Embolisationsmaterials, welches sich aus 0,5 bis 1 mm große Kunststoffpartikeln (Mikrosphären) zusammensetzt. Die Applikation erfolgt langsam und unter gepulster Durchleuchtung mit einer digitalen Subtraktionsangiographie (DAS).
In regelmäßigen Abständen wird zur Darstellung der Gefäße und Überprüfung des Blutflusses Kontrastmittel appliziert. Durch Kollateralkreisläufe wird der Uterus ausreichend mit Blut versorgt, sodass trotz des absichtlichen Verschlusses mehrerer Uterusarterien keine Gefahr der Minderperfusion besteht.
Die Patientin wird für die UAE zwei bis drei Tage stationär aufgenommen, da eine postoperative Schonung mit Bettruhe notwendig ist, um Blutungskomplikationen zu vermeiden. In dieser Zeit treten gelegentlich temporäre Schmerzen durch das beginnende Schrumpfen des Tumors auf, wobei Analgetika wirkungsvoll Abhilfe schaffen können.
Die Erholungsphase, in der Belastungen vermieden werden sollten, dauert ungefähr zwei Wochen. Zur Nachsorge wird die Verwendung der Magnetresonanztomographie empfohlen, da mit dieser kontrastmittelverstärkten Untersuchung bereits 24 Stunden nach der UAE eine Erfolgskontrolle mit Beurteilung der Devaskularisation der therapierten Myome erfolgen kann.
Weitere Kontrollen werden nach drei, zwölf und 24 Monaten durchgeführt. „An unserer Klinik konnten wir erfreut feststellen, dass bei über 90 % der Patientinnen die UAE und die postoperative Phase komplikationslos verliefen!“, lauten die positiven Untersuchungsergebnisse von Dr. Kröncke.
Sehr gute Ergebnisse
Die Gesamtansprechraten auf die
UAE liegen bei 85 % bis 96 %. Hierbei
zeigt sich eine Verringerung des
Myomvolumens mit einer Größenreduktion
von 48 % bis 79 %. Auch aus
wirtschaftlich-öknomischer Sicht ist
die UAE der Hysterektomie vorzuziehen:
Zwei unabhängige Studien der
Universitäten Amsterdam und Glasgow
haben belegt, dass die Behandlung
von Myomen durch Embolisation
fast 40 Prozent kostengünstiger
ist als ein herkömmlicher operativer
Eingriff.
Die an Myomen erkrankten Patientinnen gewinnen durch die Behandlung mit der UAE ein wichtiges Stück Lebensqualität zurück: Ihre tumorbedingten Beschwerden sind in nahezu 100 % der Fälle nach ein paar Monaten verschwunden oder haben sich zumindest deutlich und dauerhaft gebessert, und das bei vollständig erhaltenem Uterus und unter Vermeidung der psychischen Belastungen. Zusammenfassende Worte zu diesen erfreulichen Ergebnissen findet Dr. Kröncke: „Die Hysterektomie ist outdated!“ SiM








