09. Februar 2012
Medical Tribune Medizin Medien Austria

Schonende Therapie bei Uterusmyomen am ECR präsentiert
Embolisation der Uterusarterien erhält Gebärmutter

WIEN – Uterusmyome sind die häufigsten gutartigen Unterbauchtumore bei prämenopausalen Frauen. Etwa 30 Prozent aller Frauen zwischen 30 und 40 Jahren sind betroffen. Mit medikamentöser Therapie lassen sich große Myome oft nicht ausreichend behandeln, weshalb häufig eine Hysterektomie durchgeführt werden muss. Dieser Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt und kann schwerwiegende körperliche und psychische Folgen für die Patientinnen haben. Eine modernere und innovativere Technologie wurde am diesjährigen European Congress of Radiology vorgestellt: die so genannte Uterus-Arterien-Embolisation (UAE).

Uterusmyome sind gutartige Tumore der glatten Uterusmuskulatur. Die Entstehungsursachen sind nicht eindeutig geklärt, nachgewiesen ist aber, dass ihr Wachstum durch Östrogene stimuliert wird.

Das spiegelt sich auch in der Häufigkeitsverteilung bezogen auf das Alter wider: „Frauen ab der Pubertät bis zur Menopause sind betroffen, wobei die höchste Inzidenz um das 40. Lebensjahr zu beobachten ist“, so Dr. Thomas Kröncke von der Klinik für Strahlenheilkunde am Campus Virchow Klinikum in Deutschland. Das Forscherteam unter seiner Leitung befasst sich bereits seit 2000 mit dem Krankheitsbild des Uterusmyoms.

Nach der Menopause entstehen im Allgemeinen keine neuen Myome mehr, viel mehr bilden sich bestehende Myome nach dem Wechsel wieder zurück. Bis zu 25 % der Frauen zeigen keinerlei Symptomatik. Bei diesen Patientinnen ist keine Therapie notwendig, es wird aber eine regelmäßige Kontrolle in halbjährlichen Abständen empfohlen.

Symptomatische Myome
Bei symptomatischen Patientinnen stehen vaginale Blutungen im Vordergrund der Beschwerden. Diese können je nach Anzahl und Größe der Myome unterschiedlich stark auftreten und sind in vielen Fällen mit akutem Unterbauchschmerz verbunden. „Die Patientinnen berichten von einem plötzlichen Schmerz in der Unterbauchregion, häufig verbunden mit starker vaginaler Blutung, die oftmals fälschlicherweise mit der Menstruation in Verbindung gebracht wird“, berichtet Dr. Kröncke. Es kommt zu Hypermenorrhöen oder Menorrhagien bzw. Metrorrhagien.

Dieser verstärkte und verlängerte Blutverlust kann längerfristig zu einer Anämie führen. Große Myome führen oftmals durch Druck auf benachbarte Organe zu unspezifischeren Symptomen wie Kreuzschmerzen (durch Druck auf die Nervenaustrittsstellen des Beckens), Obstipation und Probleme beim Harnlassen.

Bei solchen symptomatischen Myomen, aber auch bei sehr großen oder gestielten Myomen, bei sehr schnell wachsenden Myomen, bei Verdacht auf Malignität oder bei anderen schwerwiegenden Komplikationen (Organbeeinträchtigungen, Infektionen) war bisher die Hysterektomie die Therapie der Wahl. Das bedeutete für die Patientinnen nicht nur die vollständige Entfernung des Uterus, sondern auch eine Konfrontation mit schweren postoperativen Nachwirkungen. Diese können Depressionen, ein erhöhtes Osteoporose-Risiko, Beeinträchtigungen im Sexualleben und somit auch Identitäts-und Partnerschaftsprobleme umfassen.

„Viele Patientinnen berichten davon, sich nach der Hysterektomie nicht mehr ‚als ganze, richtige Frau‘ zu fühlen“, erzählt Dr. Kröncke. Auf Grund dieser massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität und der allgemeinen Risiken einer Operation wurde die letzten Jahre fieberhaft nach einer psychisch weniger belastenden und nicht chirurgischen Therapieoption gesucht.

Wenig invasiv und ohne Vollnarkose
Mit der Uterus-Arterien-Embolisation, die weltweit immer häufiger in speziellen Zentren zur Behandlung von symptomatischen Myomen eingesetzt wird, wurde schließlich eine wenig invasive, risikoarme und wesentlich schonendere Therapiealternative gefunden. „Die Embolisation von Uterusmyomen wurde ursprünglich durchgeführt, um den Blutverlust, der bei der operativen Entfernung häufig entsteht, zu vermindern.“, beschreibt Dr. Kröncke die Entstehung der UAE. „Dabei beobachtete man, dass sich die Beschwerden der Patientinnen nach der Embolisation deutlich besserten bzw. vollständig verschwanden.“ Auf dieser Entdeckung basierend wurde der Anstoß für eine therapeutisch genützte Embolisation gesetzt.

Der Ablauf der UAE ist wenig invasiv, und es ist keine Vollnarkose notwendig. Zur exakten Darstellung der Myome und ihrer Gefäßversorgung wird vor dem Eingriff eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.

Zur Embolisationsvorbereitung erhalten die Patientinnen einen intravenösen Zugang, über den ein Opioid mit einem kurzwirksamen Benzodiazepin (z.B. Midazolam und Piritramid) appliziert wird. Nach Lokalanästhesie wird ein arterieller Zugang über die Arteria femoralis gesetzt, über die eine Sonde bis zur Arteria uterina vorgeschoben wird. Anschließend erfolgt die Applikation des Embolisationsmaterials, welches sich aus 0,5 bis 1 mm große Kunststoffpartikeln (Mikrosphären) zusammensetzt. Die Applikation erfolgt langsam und unter gepulster Durchleuchtung mit einer digitalen Subtraktionsangiographie (DAS).

In regelmäßigen Abständen wird zur Darstellung der Gefäße und Überprüfung des Blutflusses Kontrastmittel appliziert. Durch Kollateralkreisläufe wird der Uterus ausreichend mit Blut versorgt, sodass trotz des absichtlichen Verschlusses mehrerer Uterusarterien keine Gefahr der Minderperfusion besteht.

Die Patientin wird für die UAE zwei bis drei Tage stationär aufgenommen, da eine postoperative Schonung mit Bettruhe notwendig ist, um Blutungskomplikationen zu vermeiden. In dieser Zeit treten gelegentlich temporäre Schmerzen durch das beginnende Schrumpfen des Tumors auf, wobei Analgetika wirkungsvoll Abhilfe schaffen können.

Die Erholungsphase, in der Belastungen vermieden werden sollten, dauert ungefähr zwei Wochen. Zur Nachsorge wird die Verwendung der Magnetresonanztomographie empfohlen, da mit dieser kontrastmittelverstärkten Untersuchung bereits 24 Stunden nach der UAE eine Erfolgskontrolle mit Beurteilung der Devaskularisation der therapierten Myome erfolgen kann.

Weitere Kontrollen werden nach drei, zwölf und 24 Monaten durchgeführt. „An unserer Klinik konnten wir erfreut feststellen, dass bei über 90 % der Patientinnen die UAE und die postoperative Phase komplikationslos verliefen!“, lauten die positiven Untersuchungsergebnisse von Dr. Kröncke.

Sehr gute Ergebnisse
Die Gesamtansprechraten auf die UAE liegen bei 85 % bis 96 %. Hierbei zeigt sich eine Verringerung des Myomvolumens mit einer Größenreduktion von 48 % bis 79 %. Auch aus wirtschaftlich-öknomischer Sicht ist die UAE der Hysterektomie vorzuziehen: Zwei unabhängige Studien der Universitäten Amsterdam und Glasgow haben belegt, dass die Behandlung von Myomen durch Embolisation fast 40 Prozent kostengünstiger ist als ein herkömmlicher operativer Eingriff.

Die an Myomen erkrankten Patientinnen gewinnen durch die Behandlung mit der UAE ein wichtiges Stück Lebensqualität zurück: Ihre tumorbedingten Beschwerden sind in nahezu 100 % der Fälle nach ein paar Monaten verschwunden oder haben sich zumindest deutlich und dauerhaft gebessert, und das bei vollständig erhaltenem Uterus und unter Vermeidung der psychischen Belastungen. Zusammenfassende Worte zu diesen erfreulichen Ergebnissen findet Dr. Kröncke: „Die Hysterektomie ist outdated!“ SiM

Embolisation von Uterusmyomen

Einschlusskriterien:
  • symptomatische Myome
  • Ablehnung der konventionellen Therapien
  • Einverständniserklärung der Patientin
  • Gerinnungsparameter im Normbereich
Ausschlusskriterien:
  • pelvine Infektionen
  • Kontraindikationen für Angiographie
  • bestehender Kinderwunsch (rel. Kontraind.; noch nicht genügend Studien zu diesem Thema)

Strahlenschutz
Die Strahlendosis optimieren

WIEN – Die Session „CT and PET/CT: more information – more radiation?“ am heurigen European Congress of Radilogy ging der Frage nach dem Nutzen und dem potenziellen Risiken von CT und PET/CTUntersuchungen nach.

Uterusmyome sind gutartige Tumore der glatten Uterusmuskulatur. Die Entstehungsursachen sind nicht eindeutig geklärt, nachgewiesen ist aber, dass ihr Wachstum durch Östrogene stimuliert wird.

Prof. John Damilakis, Universität Kreta in Heraklion, betont, dass sich je nach Institution die Strahlendosen bei CT-Untersuchungen bis zu einem zehnfachen Wert unterscheiden können. Die hänge v.a. mit Variationen in der Untersuchungsmethode zusammen, da die Höhe der Strahlung durch eine standardisierte Vorgehensweise oder das Gerät bestimmt wird. Damit tragen, so Prof. Damilakis, ungerechtfertigte CT-Untersuchungen und nicht optimierte Vorgehensweisen wesentlich zu unnötigen Strahlenbelastung bei.

PET/CT ersetzt heute reine PET-Verfahren bei vielen Anwendungen in der Onkologie, dadurch wird die Belastung höher. Die CT wird etwa benötigt, um für die PET-Bilder einen groben anatomischen Rahmen zu bilden – etwa bei Lymphomen. Hier kommt es auf die gute Kooperation zwischen Radiologen und Nuklearmediziner an.

Patienten mit schweren Polytrauma haben von den Entwicklungen der vergangenen Jahre profitiert. Innerhalb von 20 Sekunden kann heute ein Ganzkörper-Scan erstellt werden.

Prof. Reinhard Loose, Klinikum Nürnberg Nord, gibt zu bedenken, dass die Lebenserwartung von schwerkranken Patienten durch die Strahlung weniger beeinflusst wird als die von ambulanten Patienten bzw. von Teilnehmern an Screenings. red

© MMA, Medical Tribune • 41. Jahrgang • Nr. 13/2009

European Congress of Radiology (ECR) 2009

Foto: Siemens - Den ECR begleitete eine große Industrieausstellung. Siemens stellte z.B. den neuen S
Der europäische Radiologenkongress ECR 2009 stand unter dem Motto „The Summit of Science“. Mit 18.000 Teilnehmern, einer Rekordzahl von 5363 Abstracts sowie Vortragenden und Moderatoren aus über 40 Ländern war man in diesem Jahr tatsächlich angetreten, eine Veranstaltung der Superlative abzuhalten. Beiträge kamen aus allen Gebieten des immer vielfältiger werdenden Faches.

>> weiter

European Congress of Radiology (ECR) 2008

Foto: Bilderbox
Traditionell tagte der European Congress of Radiology auch heuer in Wien. Neu war, dass die Radiologen eine andere medizinische Fachrichtung als Gast auf den Kongress einluden, um über eine bessere Zusammenarbeit zu diskutieren und Synergien zu suchen. Den Beginn machten gleich die Allgemeinmediziner. Besonders wichtig ist den Radiologen die Kooperation mit den Praktikern bei der Diagnose und Betreuung von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit.

>> weiter

European Congress of Radiology (ECR) 2007

Abb.: Siemens Media Solutions
Die Radiologie entwickelt sich rasant. Nur wenige Kongresse können daher Jahr um Jahr mit einer solchen Fülle an spannenden Präsentationen aufwarten wie der in Wien stattfindende European Congress of Radiology (ECR). Hier einige Highlights des Jahres 2007.

>> weiter

European Congress of Radiology (ECR) 2006

Rund 15.000 Radiologen aus aller Welt kamen zum European Congress of Radiology 2006 nach Wien. Zur Diskussion standen u.a. modernste Entwicklungen auf dem Gebiet der virtuellen Koloskopie oder der Angiographie.

>> weiter

ECR Logo