03. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria
Seite drucken

Wissenschaft für die Praxis:
Phytoöstrogene können helfen

Phytoöstrogene gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Am besten untersucht sind die Isoflavone aus Soja. Die Phytoöstrogenaufnahme mit der Nahrung ist weltweit sehr unterschiedlich. In westlichen Ländern werden zirka 2 bis 5 mg am Tag konsumiert, während es in Asien bis zu 80 mg/ Tag sind.

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass die Inzidenz psychovegetativer klimakterischer Beschwerden im asiatischen Raum deutlich niedriger ist als in der westlichen Welt. Dies erhebt die Frage, ob sich dieser Unterschied auf die Ernährungsgewohnheiten zurückführen lässt.

In 17 klinischen Studien wurde der Einfluss von Isoflavonen auf menopausale Beschwerden untersucht. Da diese Studien jedoch außerordentlich heterogen waren, sichtete eine Expertenkommission unter Leitung der Österreichischen Menopausegesellschaft alle Studien zu diesem Thema.

Legt man die Qualitätskriterien dieser Kommission zu Grunde, bleiben fünf Studien übrig, die alle einen signifikanten Nutzen von Ernährungsinterventionen mit Isoflavonen gegenüber Plazebo bestätigen.

Verglichen mit der klassischen Hormontherapie können sie jedoch in der Behandlung psychovegetativer Symptome nicht ganz mithalten. Der klinische Nutzen scheint also vor allem in der Behandlung leichter Beschwerden zu liegen.

Für die Praxis: Die Experten empfehlen ein Stufenkonzept: Frauen mit leichten klimakterischen Beschwerden sollten zuallererst versuchen, ihre Symptome mit ausreichend Bewegung, vollwertiger Ernährung und Stressreduktion zu bessern. Bei persistierenden Beschwerden sollte eine diätetische Intervention mit einer dreimonatigen Phytoöstrogensupplementierung erfolgen. Kommt es auch dadurch zu keiner nachhaltigen Besserung, sollte auf die klassische Hormonersatztherapie umgestellt werden.

B. Kleine-Gunk, Gynäkologie und Geburtshilfe 2006; 2: 42 – 44

© MMA, Medical Tribune • 39. Jahrgang • Nr. 27/2007
Wissenschaft für die Praxis
Bild
Univ.-Prof. Dr. Heinz F. Hammer
Medizinische Universität Graz
heinz.hammer@meduni-graz.at