Die eine Hälfte gekoppelt mit der Information, dass es ihnen bei dem Geschmacksreiz deutlich übel würde, die andere Hälfte ohne diese Information. Besonders Männer zeigten sich anfällig für diese suggestive Beeinflussung.
In einer zweiten Gruppe wurde derselbe Versuch über drei Wochen erlernt. Hier zeigten sich vor allem Frauen anfälliger für die Übelkeit, sie verwerten offensichtlich einmal erlernte Erfahrungen anders als Männer.
Plazebo- und (wie in diesen Experimenten das Gegenteil davon) Nozeboeffekte können also auch in klinischen Medikamentenversuchen auf unterschiedliche Weise entstehen: Bei dem einen wirken die suggestiven Elemente stärker, beim anderen seine bisherige Erfahrung mit Krankheit und Behandlung. Der Plazeboeffekt ist wesentlich komplexer als bislang angenommen, und Geschlechtsunterschiede spielen auch hier eine Rolle.
Der Plazeboeffekt in klinischen, insbesondere pharmakologischen Versuchen kommt nach diesen Untersuchungen auf zwei Weisen zu Stande: Durch Konditionierung (Lernen), bei dem eine frühere, positive wie negative Erfahrung mit Medikamenten eine Rolle spielt, und durch aktuelle Erwartungen, die Patienten haben und die durch suggestive Informationen genährt werden, wie sie zum Beispiel auf Beipackzetteln stehen. Nozebo-Effekte, d.h. negative Wirkungen unter einer Plazebobehandlung, folgen den gleichen Regeln.
Für die Praxis: Frauen reagieren auf ihre Umwelt eher aus dem bisherigen Erfahrungsschatz heraus, Männer lassen sich eher durch Suggestion beeinflussen.
P. Enck et al., Neuron 2008; 59: 195 – 206






