Zwei gute Gründe, warum das „kleine“ Fach Augenheilkunde trotz Spezialisierung auf ein einzelnes Organ von eminenter Wichtigkeit ist. Erstens: 90 % der Sinneseindrücke erhalten wir über das Auge.
Zweitens: Eine Augenbeteiligung findet sich bei den Volkskrankheiten Diabetes mellitus, Hypertonie und auch bei Thrombosen. Beruhigend zu wissen, dass die Forschung auch hier nicht stehen bleibt: Am internationalen Kongress zur „Advanced Retinal Therapy“ wurden wissenschaftliche Neuerungen vorgestellt, von denen eine die optische Kohärenztomographie (OCT) ist.
Sie hat die Diagnosemöglichkeiten in der Augenheilkunde regelrecht revolutioniert, da sich mit dieser Methode ohne Strahlenbelastung Organschnitte mit einer Auflösung von einem fünftausendstel Millimeter anfertigen und darstellen lassen (siehe Bilder).
Noch exakter geht es mit der hochauflösenden HR-OCT. In der dreidimensionalen Darstellung lassen sich die Netzhaut- und Gefäßstrukturen detailliert beurteilen. Die neueste und vierte Generation der OCT-Technologie, die spektrale optische Kohärenztomographie ist noch schneller im Einscannen der Bilder und gleicht Augenbewegungen automatisch aus.
Diagnostik und
Verlaufskontrolle
Die Entwicklung der neuen Technik
bringt entscheidende Vorteile.
Einer liegt in der Früherkennung:
Krankheitsprozesse wie z.B. das maligne
Melanom werden in sehr jungen
Stadien erkannt, noch bevor Symptome
auftreten.
Aber auch bestehende Krankheiten wie die Makuladegeneration oder Augenbeteiligungen bei Diabetes oder Hypertonie können in ihrem Verlauf exakter beurteilt werden. Das ermöglicht eine spezifische, stadiengerechte Therapie. Der Nutzen kostspieliger Antikörpertherapien kann nun schon vorab eingeschätzt werden und die Verabreichung vom Zustand der Netzhaut abhängig gemacht werden.
„Das bringt eine spürbare Kostensenkung, da wir deutlich seltener behandeln müssen als bisher. Es stellt sich heraus, dass wir nur ein Viertel so häufig therapieren müssen wie in den Zulassungsstudien empfohlen“, meint Prim. Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien. Ihre Abteilung arbeitete gemeinsam mit der Abteilung für Medizinische Physik der Medizinischen Universität Wien an der Entwicklung des bildgebenden Verfahrens, das mittlerweile seit einem knappen Jahr am Markt ist.
Kompetenz weltweit
konkurrenzlos
Durch den Vorsprung im Umgang
mit der neuen Technologie
hat sich die Abteilung von Prof.
Schmidt-Erfurth zu einem europaweit
konkurrenzlosen Kompetenzzentrum
herausgebildet. Krankenhäuser
aus verschiedensten Teilen
der Erde schicken ihre Bilder zur
zentralen Beurteilung ins AKH, wo
sie von dem eigens dafür errichteten
„Vienna Reading Center“ befundet
werden. JoB
Kongress ART: Advanced Retinal Therapy: Updates – Trends – Controversies, Wien, November 2008







