03. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria

Optische Kohärenztomographie in der Augenheilkunde
Revolutionärer Einblick ins Auge

WIEN – Die optische Kohärenztomographie erlaubt eine revolutionären Einblick ins Auge und wurde vom AKH Wien entwickelt. Durch das fundierte Know-how hat sich das AKH als internationales Kompetenzzentrum etabliert. Am internationalen Kongress zur „Advanced Retinal Therapy“ wurde auch über diese neue Methode diskutiert, die etwa bei der Behandlung der Makuladegeneration hilft, die Therapie zu optimieren und damit Kosten einzusparen.

Zwei gute Gründe, warum das „kleine“ Fach Augenheilkunde trotz Spezialisierung auf ein einzelnes Organ von eminenter Wichtigkeit ist. Erstens: 90 % der Sinneseindrücke erhalten wir über das Auge.

Zweitens: Eine Augenbeteiligung findet sich bei den Volkskrankheiten Diabetes mellitus, Hypertonie und auch bei Thrombosen. Beruhigend zu wissen, dass die Forschung auch hier nicht stehen bleibt: Am internationalen Kongress zur „Advanced Retinal Therapy“ wurden wissenschaftliche Neuerungen vorgestellt, von denen eine die optische Kohärenztomographie (OCT) ist.

Sie hat die Diagnosemöglichkeiten in der Augenheilkunde regelrecht revolutioniert, da sich mit dieser Methode ohne Strahlenbelastung Organschnitte mit einer Auflösung von einem fünftausendstel Millimeter anfertigen und darstellen lassen (siehe Bilder).

Noch exakter geht es mit der hochauflösenden HR-OCT. In der dreidimensionalen Darstellung lassen sich die Netzhaut- und Gefäßstrukturen detailliert beurteilen. Die neueste und vierte Generation der OCT-Technologie, die spektrale optische Kohärenztomographie ist noch schneller im Einscannen der Bilder und gleicht Augenbewegungen automatisch aus.

Diagnostik und Verlaufskontrolle
Die Entwicklung der neuen Technik bringt entscheidende Vorteile. Einer liegt in der Früherkennung: Krankheitsprozesse wie z.B. das maligne Melanom werden in sehr jungen Stadien erkannt, noch bevor Symptome auftreten.

Aber auch bestehende Krankheiten wie die Makuladegeneration oder Augenbeteiligungen bei Diabetes oder Hypertonie können in ihrem Verlauf exakter beurteilt werden. Das ermöglicht eine spezifische, stadiengerechte Therapie. Der Nutzen kostspieliger Antikörpertherapien kann nun schon vorab eingeschätzt werden und die Verabreichung vom Zustand der Netzhaut abhängig gemacht werden.

„Das bringt eine spürbare Kostensenkung, da wir deutlich seltener behandeln müssen als bisher. Es stellt sich heraus, dass wir nur ein Viertel so häufig therapieren müssen wie in den Zulassungsstudien empfohlen“, meint Prim. Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien. Ihre Abteilung arbeitete gemeinsam mit der Abteilung für Medizinische Physik der Medizinischen Universität Wien an der Entwicklung des bildgebenden Verfahrens, das mittlerweile seit einem knappen Jahr am Markt ist.

Kompetenz weltweit konkurrenzlos
Durch den Vorsprung im Umgang mit der neuen Technologie hat sich die Abteilung von Prof. Schmidt-Erfurth zu einem europaweit konkurrenzlosen Kompetenzzentrum herausgebildet. Krankenhäuser aus verschiedensten Teilen der Erde schicken ihre Bilder zur zentralen Beurteilung ins AKH, wo sie von dem eigens dafür errichteten „Vienna Reading Center“ befundet werden. JoB

Kongress ART: Advanced Retinal Therapy: Updates – Trends – Controversies, Wien, November 2008

Berichte von Kongressen und Tagungen

Neue Therapieansätze in der Augenheilkunde
Gentherapie am Auge erfolgreich durchgeführt

WIEN – Augenärzten ist es erstmals gelungen, eine Gentherapie am Menschen erfolgreich durchzuführen. Darüber wurde am ART-Kongress ebenso berichtet wie über den erfolgreichen Einsatz von Blaulichtfiltern gegen Pigmentdegeneration im Alter.

Erstmals ist es am Auge gelungen, erfolgreich eine Gentherapie durchzuführen. Bisher ist das noch an keinem anderen Organ möglich gewesen. Dass es gerade am Auge funktioniert, liegt daran, dass das Gen hier direkt in die kranken Zellen eingespritzt werden kann.

Univ.-Prof. Dr. Jean Benett aus Philadelphia berichtete am ARTKongress über die ersten erfolgreichen Versuche unterschiedlicher Forschergruppen an der kongenitalen Leber’schen Amaurose. Bei dieser Netzhauterkrankung führt der bekannte Defekt des Gens RPE65 bereits in jungen Jahren zur Erblindung. Im Zuge der Gentherapie wurden Vektoren mit dem korrigierenden Gen in den hinteren Abschnitt injiziert, was eine Regeneration der pathologischen Netzhautzellen und eine Sehverbesserung ermöglichte.

„Es handelt sich um ein wichtiges und ermutigendes Ergebnis, das vielversprechend für die Behandlung weiterer erblicher Erkrankungen ist“, freut sich Prof. Benett über die Errungenschaft. Die Behandlung, die sich zurzeit noch im Experimentalstadium befindet, soll in den nächsten Jahren zur Therapie zur Verfügung stehen. „Mit dieser Entwicklung rückt auch die klinische Anwendung der Gentherapie bei anderen erblichen oder auch erworbenen Netzhauterkrankungen in greifbare Nähe“, freut sich Prof. Benett.

Blaulichtfilter für das Auge
Auf dem Kongress wurden auch neue positive Entwicklungen auf dem Gebiet der Blaulichtfilter vorgestellt. Da das Sehpigment des Auges nicht nachgebildet werden kann, degeneriert es im Lauf des Lebens zunehmend. Vor allem der kurzwellige blaue Anteil des Sonnenlichts, von Halogen- oder Solariumlampen und Blitzlichtern schädigt das retinale Pigment. Mit einem speziellen Computertomographen lässt sich der Zustand der Pigmentzellen bildlich darstellen und exakt bemessen. Dadurch kann rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden.

Nun wurde der Nutzen von Linsen mit Blaulichtfilter neu bewertet. Es hat sich gezeigt, dass sie weder den Biorhythmus des Menschen noch das Dämmerungssehen negativ beeinflussen. Zudem mehren sich Hinweise, dass diese Intraokularlinsen auch der Makuladegeneration und Netzhautschäden vorbeugen. Verwendung finden sie vor allem als Speziallinse nach Kataraktoperationen, um den Schutz durch die fehlende physiologische Linse zu ersetzen. Die neuen Ergebnisse erlauben in Zukunft einen unbedenklichen Einsatz von Blaulichtfiltern in der Therapie solcher Störungen.JoB

Kongress ART: Advanced Retinal Therapy: Updates – Trends – Controversies, Wien, November 2008

Blick ins Auge

Bild
Die optische Kohärenztomographie erlaubt einen revolutionären Blick ins Auge – das AKH Wien ist Kompetenzzentrum.
Ein OCT-Schnittbild der Netzhaut eines gesunden Probanden zeigt die regelrechte Anordnung der einzel
Im Rahmen einer feuchten altersbezogenen Makuladegeneration findet sich im OCT-Schnittbild eine deut
© MMA, Medical Tribune • 41. Jahrgang • Nr. 1-3/2009