Entwickelt sich eine Hypokalzämie allmählich, können Patienten trotz stark erniedrigter Werte lange symptomfrei sein. Rasselt das Elektrolyt jedoch zum Beispiel nach einer Nebenschilddrüsen-Operation schnell in den Keller, treten rasch neuromuskuläre Störungen auf.
Als typische klinische Tests bei entsprechendem Verdacht kennen Sie das Chvostek- und das Trousseau- Zeichen (s. Abb.), wobei Letzteres höhere Spezifität besitzt: 94 % aller hypokalzämischen Patienten weisen das Trousseau-Zeichen auf – aber nur 1 % der Normokalzämiker, wie Kollegen der Universität Birmingham im „British Medical Journal“ berichten.
Korrektur nach
Albuminwert
Da das Serumkalzium zum Teil
an Albumin gebunden vorliegt,
muss sein Wert in Bezug zum aktuellen
Albuminspiegel gesetzt
werden. Für jedes Gramm pro Liter,
um das der Albuminwert von
40 g/l abweicht, muss das gemessene
Kalzium um 0,02 mmol/l korrigiert
werden. Beispiel: Beträgt
der Albumin-Spiegel eines Patienten
35 g/l, muss ein Kalziumwert
von 2,05 auf 2,15 mmol/l „berichtigt“
werden.
Besteht keine akute Symptomatik, darf durch Labordiagnostik wie etwa die Bestimmung von Parathormon, alkalischer Phosphatase (z.B. erhöht bei Metastasen) oder 25-OH-Vitamin D erst einmal Ursachenforschung betrieben werden.
Zeigt der Patient aber bereits neuromuskuläre Übererregbarkeit, heißen die Maßnahmen: Klinikeinweisung und intravenöse Kalziumtherapie. Bei einem korrigierten Serumkalziumspiegel unter 1,9 mmol/l sollten auch asymptomatische Patienten angesichts drohender ernster Komplikationen eine Notfalltherapie erhalten und evtl. eingewiesen werden.
Digoxin-Patienten
besonders gefährdet
Da Kalziumchlorid gern zu lokalen
Irritationen führt, bevorzugt
man zur intravenösen Substitution
Kalziumglukonat. Zwei 10-ml-Ampullen
Kalziumglukonat 10 % in 50
bis 100 ml Dextrose 5 % werden
langsam über zehn Minuten infundiert.
Diese Therapie kann mehrfach
wiederholt werden, bis sich die
Symptome gelegt haben, heißt es
weiter. Die Autoren empfehlen, dabei
ein EKG mitlaufen zu lassen, da
es bei zu schneller Elektrolytkorrektur
zu Arrhythmien kommen kann.
Zu besonderer Vorsicht mahnen sie
bei Patienten, die Digoxin einnehmen,
da diese besonders empfindlich
auf Änderungen der Serumkalzium-
Konzentration reagieren.
Liegt ein niedriger Magnesiumspiegel
vor, bringt die pure Kalziumkorrektur
wenig, merken die Kollegen
an. Hier sollten Sie erst das Magnesiumdefizit
ausgleichen. CG
Mark S. Cooper, Neil J. Gittoes, BMJ 2008; 336: 1298 – 1302






