Im Gegensatz zur erektilen Dysfunktion wird die EP kaum thematisiert, weder von den Betroffenen noch von der Fachwelt, das stellte eben diese Fachwelt anlässlich des sexualmedizinischen Kongresses „Ganz Frau – Ganz Mann“ fest. Und das, obwohl sie die häufigste sexuelle Funktionsstörung ist. Zu ihrer Entstehung gibt es freilich keine allgemein akzeptierte und empirisch validierte Erklärung, neuere Studien zeigen aber, dass es sich jedenfalls um ein biopsychosoziales Phänomen handelt.
Zumindest bei einem Teil der Betroffenen spielen konstitutionelle Faktoren im Sinne eines Diathese–Stress-Modells eine Rolle. Der Terminus „vorzeitiger Samenerguss“ ist unglücklich formuliert, so Univ.-Doz. Dr. Eugen Plas, Urologe aus Wien, denn „es ist ja keine Störung der Ejakulation, sondern vielmehr eine Unfähigkeit der Erregungssteuerung.
Der gesamte Orgasmusreflex wird zu früh ausgelöst.“ Unklar ist, ob die Schwelle für die Auslösung der orgastischen Reflexsequenz bei den Patienten normabweichend erniedrigt ist oder ob die Orgasmusschwelle zwar im Normbereich liegt, aber zu schnell und ohne ausreichende Steuerungsmöglichkeit erreicht wird. Die EP kann primär, also kontinuierlich seit den ersten sexuellen Erfahrungen auftreten, oder sekundär bzw. erworben sein.
Daten aus klinischen Studien und Beratungseinrichtungen zeigen, dass nur 20 % der betroffenen Männer professionelle Hilfe suchen – bei erektiler Dysfunktion sind es hingegen 60 %!
„Das richtig geführte Patientengespräch ist hier sehr wichtig“, meint Univ.-Doz. Dr. Andreas Jungwirth, „Sprechen Sie über Sex! Stellen Sie Fragen, die der Patient mit ,Ja‘ oder ,Nein‘ beantworten muss. Und fragen Sie so lange, bis Sie ein klares Bild von der Problematik bekommen.“
Sicher ist jedenfalls, dass die betroffenen Männer durch Internet und entsprechende Literatur alles über mögliche Therapien wissen – und das meiste auch ausprobiert haben: „Die haben mehr Therapieerfahrung als Sie selbst!“
Partnerin leidet mit
Ein wichtiger Punkt im Gespräch
ist die Partnerschaft, denn
die EP des Mannes hat gravierende
Auswirkungen auf die Frau. 53 %
der Partnerinnen entwickeln ihrerseits
Sexualstörungen, so Sexualtherapeutin
Dr. Elia Bragagna.
„Am schlimmsten ist es für die Frau, wenn sich der Mann aus Scham über sein Versagen emotional abwendet.“ Aber auch die Eigentherapieversuche der Männer wie bspw. ein kurzes Vorspiel oder Ablenkung sind für Frauen alles andere als beglückend: „Man kann sich vorstellen, wie das wirkt, wenn man am Gesicht des Partners abliest, dass er gerade krampfhaft an etwas Unangenehmes denkt, nur um nicht gleich zu kommen.“
Junge Leutn hätten auch oft falsche Vorstellungen von der Dauer eines Geschlechtsverkehrs: „Sie glauben, dass stundenlanges Rammeln, wie sie es auf Softpornos sehen, der Wirklichkeit entspricht. So entstehen falsche Vorbilder.“
Die Expertin betont einmal mehr die Wichtigkeit, die Partnerin in die Therapie mit einzubeziehen. Und, „die Behandlung erfordert Zeit. Unter fünf Terminen würde ich es nicht machen.“
Behandlungsoptionen:
Stopp oder Squeeze
Welche Behandlungsmöglichkeiten
gibt es nun? Zunächst einmal
die Stopp-Start-Methode und die
Squeeze-Technik. Bei Ersterer lernt
der Mann, sich auf die eigene Erregung
zu konzentrieren, sie wahrzunehmen
und dadurch die Kontrollphase
zu verlängern.
Bei der zweiten Technik wird versucht, die sexuelle Stimulation durch Zusammendrücken der Eichel kurz vor der Ejakulation zu kontrollieren. Lokal anästhesierende Salben haben „angeblich“, so Dr. Jungwirth, hohe Effektivität, nur können sie die Empfindungsfähigkeit so reduzieren, dass der Mann gar nichts mehr spürt.
SSRI verzögert
Ejakulation
Was nun die medikamentöse Behandlung
betrifft, so kommen „offlabel“
zwei Substanzgruppen zum
Einsatz. Zum einen PDE-5-Hemmer
wie Sildenafil, die vermutlich
durch zentrale Modulation eine Verzögerung
des Orgasmus bewirken.
Eine Studie zeigte, dass 50 mg zu einer signifikanten Verlängerung der IVELT (intravaginalen Ejakulations-Latenzzeit) führten. Zum anderen hat man sich eine der Nebenwirkungen der SSRIs, nämlich eine verzögerte Ejakulation, zu Nutze gemacht und verwendet sie ebenfalls zur Behandlung der EP. Serotonin ist, nebenbei bemerkt, der wichtigste Neurotransmitter bei der Ejakulation.
Die beste Ansprechrate zeigte Paroxetin. Der Nachteil: Abgesehen von Nebenwirkungen wie Nervosität, Abgeschlagenheit und Schwindel muss das Medikament dauernd genommen werden.
Aber es wartet bereits ein neuer Serotonin-Reuptake-Hemmer in den Startlöchern: Das sehr kurz wirksame Dapoxetin, welches als „Bedarfsmedikament“ angedacht ist. Es wird von den Experten als „spannendes Medikament, das eine wirklich gute Therapieoption für die Zukunft ist“ beschrieben.
Klinische Studien zeigen eine sehr kurze Halbwertszeit, nur geringe Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit und – entscheidend – eine signifikante Zunahme der IVELT von einer knappen Minute auf über drei Minuten. Experte Jungwirth: „Schon eine Steigerung von unter einer Minute auf über eine Minute bedeuten für diese Patienten Lichtjahre!“ SCH
Diese Fallgeschichte, welche Dr. Anneliese Schwenkhagen zum Thema „Prämenopausale Ovarektomie“ aus ihrer Praxis präsentierte, zeigte, wie wichtig es bei solchen Patientinnen ist, sämtliche hormonelle Aspekte zu berücksichtigen.
„Als die junge Frau zu mir kam, machten ihr alle klimakterischen Symptome zu schaffen, die es nur geben kann, von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen bis zu Unwohlsein, Depressionen und sexuellem Desinteresse. Sie hatte sämtliche Hormontherapien durch, und ein Östrogenmangel war auszuschließen.“ Die Patientin hatte insofern noch Glück im Unglück, da sie in einer stabilen, guten Partnerschaft lebte, und eine Arbeit hatte, die ihr Spaß machte. Den Faktor der Kinderlosigkeit hatte sie akzeptiert. Wo lag das Problem?
Brutal in den
Wechsel gestoßen
Zur Lösung des Falls müsse man
sich grundsätzlich einmal vergegenwärtigen,
was eine Ovarektomie
für den weiblichen Körper bedeute,
so Dr. Schwenkhagen. „Die
Frau wird ziemlich brutal in den
Wechsel gestoßen.“ Während es im
Verlauf der natürlichen Menopause
zu einem allmählichen Rückgang
der Geschlechtshormonkonzentration
kommt und Symptome
ebenso allmählich und variabel
auftreten, kommt es bei der chirurgisch
induzierten Menopause
zu einem plötzlichen, steilen
Abfall der Hormonkonzentrationen
mit wesentlich stärkeren Beschwerden.
Ein Verlust der Ovarien bedeutet auch einen Verlust jener Organe, die einen nicht unwesentlichen Teil des Testosterons produzieren. „Auch Frauen brauchen ihr Testosteron“, bringt die Gynäkologin jenes Hormon in Erinnerung, auf das beim weiblichen Geschlecht gern vergessen werde. Testosteron wird je nach Lebensphase verschieden intensiv produziert.
So stammt bei jungen Frauen ein Viertel des gesamten Anteils aus den Nebennierenrinden, ein weiteres Viertel steuern die Ovarien bei, und der Rest entsteht durch Konversion von Östradiol im Fettund Muskelgewebe.
In der Postmenopause ändert sich dann die Aufteilung: der Konversionsanteil geht auf 40 % zurück, die adrenale Ausschüttung sinkt sogar auf 10 % ab. Dafür werden die Eierstöcke zum wichtigsten Produzenten von Testosteron: 50 % des im Blut zirkulierenden Hormons stammt jetzt aus den Ovarien!
Sexualprobleme
als Leitsymptom
Nach einer kompletten Ovarektomie
fällt der Testosteronspiegel auf
etwa die Hälfte ab – mit oft gravierenden
Folgen, denn „Testosteronmangel
wirkt breit“. Eines der
Symptome – man könnte es fast
„Leitsymptom“ nennen – ist die Veränderung
der Sexualität. Man spricht
auch von HSDD = Hypoactive Sexual
Desire Disorder, definiert als ständiger
oder wiederholter Mangel an
sexuellen Gedanken und/oder der
Bereitschaft zu sexuellen Aktivitäten,
wobei die Betroffenen oder ihre Beziehungen
darunter leiden.
Ein Symptom freilich, über welches
selten gesprochen wird.
Dr. Schwenkhagen: „Zum einen ist das Thema für Patientinnen oft schambesetzt. Zum anderen ist es natürlich auch eine Frage der Wertigkeit. Sexualstörungen sind sicher nicht top auf der Liste. Da kommen zuerst einmal Schlafstörungen und Hitzwallungen.“
Studien zeigten freilich, dass Frauen mit beidseitiger Ovarektomie bezüglich der sexuellen Parameter im Vergleich mit gesunden Kontrollpersonen signifikant schlechtere Werte hatten. Wobei eine Östrogentherapie die Libido nicht zurückbringe, merkt die Expertin an. Das könne aber sehr wohl eine Testosteronsubstitution.
Hormon erhöht
Lebensqualität
Bei der besagten Patientin
brachte ein Testosteronpflaster mit
300 μg/Tag eine signifikante Besserung
der Beschwerden, und auch
mit dem Sex lief es wieder besser.
„Man darf sich von solch einer
Testosteronbehandlung nicht erwarten,
dass der Sex sofort wieder
großartig wird. Es passiert langsam,
es sind Kleinigkeiten, die
sich zunächst verändern. Und sei
es nur, dass sich die Frau wieder
einmal hübsche Dessous für sich
kauft.“
Dr. Schwenkhagen beklagt, dass sich die meisten Studien zu diesem Thema nur auf die Sexualität fixieren, denn auch andere Parameter wie die Stimmungslage und das allgemeine Wohlgefühl können sich durch die Testosteronbehandlung bessern. Die im Übrigen auch für gesunde postmenopausale Frauen bei Wechselbeschwerden mit HSDD-Symptomatik eine Therapieoption ist.
Wie steht es nun mit den Nebenwirkungen Richtung Androgenität? „Was man beobachtet hat, waren eine etwas fettigere Haut, eine tiefere Stimme und etwas Akne. Aber insgesamt überwiegt der große Benefit“, resümiert Dr. Schwenkhagen.
Eine Frage bleibt aber unbeantwortet, nämlich jene nach dem Mammakarzinom-Risiko: „Man kann hier ehrlicherweise keine klare Antwort geben. Es gibt Daten, die auf ein größeres Risiko schließen lassen, und es gibt Daten, die das widerlegen. Der vorsichtige Schluss muss zu diesem Zeitpunkt lauten: Man kann ein erhöhtes Risiko nicht ausschließen.“ SCH
Gemeinsamer Kongress der Austrian Society for Sexual Medicine und der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie „Ganz Frau – Ganz Mann“, November 2008
HIV-Infektionen steigen leicht an, sexuell übertragbare Krankheiten wie Hepatitis, Syphilis und Gonorrhö sind in Österreich auf dem Vormarsch, und bei Teenager-Schwangerschaften liegt Österreich im europäischen Mittelfeld. Männliche Jugendliche verwenden Kondome oft nur dann, wenn das Mädchen darauf besteht und sie werden von bestehenden Informations- und Beratungsangeboten schlechter erreicht als Mädchen.
Das ist der Hintergrund, vor dem die Untersuchung des Europäischen Zentrums durchgeführt wurde.
Aus Interviews mit 49 Burschen ging hervor, dass vor allem bildungsferne Jugendliche und solche mit Migrationhintergrund oft noch sehr traditionelle Geschlechterrollen haben, verbunden mit einem eher technischen und leistungsorientierten Zugang zur Sexualität.
In der Familie ist das Thema Sex tabuisiert; wenn im Freundeskreis darüber gesprochen wird, dominieren Scherze und Prahlereien. Männliche Jugendliche verfügen auch nur über dürftige Informationsressourcen zum Thema Sexualität. Außerdem ist der Gruppendruck, früh sexuell aktiv zu sein, sehr hoch.
Latte an Forderungen
Die Autorinnen Mag. Gabriele
Schmied und Mag. Christine Reidl
plädieren deshalb für eine verbesserte
Gestaltung außerschulischer sexualpädagogischer
Aufklärung.
Eine Reihe von Forderungen wäre damit verbunden: So würden die bestehenden Beratungseinrichtungen etwa eine längerfristige Finanzierung benötigen. Auch müssten einheitliche Ausbildungs- und Qualitätsstandards für Beratung und Sexualaufklärung weiter entwickelt werden. Männliche Berater, die eine Sprache sprechen, die die Jugendlichen erreicht, und Einbeziehung elektronische Medien (Internet, E-Mail, Handy), die einen niederschwelligen Zugang zu Informationen ermöglichen, wären wünschenswert. Außerdem müsste eine ausgewogene Mischung zwischen getrennt geschlechtlicher und gemeinsamer Aufklärung angeboten werden.
Kultur- und geschlechtsspezifische sowie nach Alter und sozialer Schicht differenzierte Aufklärungskonzepte sollten entwickelt werden. Die Kooperationen zwischen Medizinern und Jugendeinrichtungen wären wünschenswert (z.B. regelmäßige Jugendsprechstunde in Jugendeinrichtungen oder in der Arztpraxis).
Wie wichtig eine gute Aufklärung für junge Menschen ist, weiß auch die Sexualberaterin Bettina Weidinger vom Österreichischen Institut für Sozialpädagogik aus ihrer täglichen Praxis: „Die Situation ist auch deshalb brisant, weil wir sehr rasche Entwicklungen bei den Informationsquellen sehen, Änderungen gibt es bereits alle zwei bis drei Jahre.
Kinder und Jugendliche machen heute bspw. schon sehr früh Pornoerfahrungen, etwa durch Pornoclips am Handy, und sind damit meist überfordert.“
Dass zumindest einige ihrer Forderungen umgesetzt werden, hoffen die beiden Autorinnen, denn „die außerschulische Sexualpädagogik kann Burschen dabei helfen, in einer Welt voller sexueller Bilder und widersprüchlicher Anforderungen eine selbstbestimmte Männlichkeit und eine verantwortungsvolle, partnerschaftliche, aber auch lustvolle Sexualität zu entwickeln“. epo
G. Schmied, C. Reidl: Männliche Jugendliche: Sexualität
und Aufklärung. European Centre, 2008,
216 Seiten, ISBN 978-3-902426-47-5, 28 €
Zu bestellen unter: www.euro.centre.org
Bei einer täglichen Dosierung werde einerseits der Patient nicht mehr an seine ED erinnert und „auf der anderen Seite ist er allzeit bereit“, bringt Univ.-Doz. Dr. Andreas Jungwirth, EMCO Privatklinik Bad Dürrnberg, Salzburg, auf der Linzer ÖGU-Tagung, die Vorteile auf den Punkt.
Auch das bei einer On-Demand-Einnahme für manche Paare oft belastende „Abwarten“ bis zum maximalen Plasmaspiegel falle beim „daily dosing“ weg. Allerdings ist nicht jeder PDE-5-Hemmer dafür geeignet. Schon bei der bedarfsabhängigen Einnahme von manchen PDE-5-Hemmern scheint es neben pharmakologischen Wirkungsweisen einen gewissen additiven Effekt zu geben.
So wisse man bereits aus den ersten Studien, dass z.B. Tadalafil 5 mg auch bei On-Demand-Gabe zu einer deutlichen Verbesserung der ED geführt und dass die mehrfache Einnahme auch den Response verbessert habe, berichtet Doz. Jungwirth.
Auf die Halbwertszeit
kommt es an
Warum Tadalafil der einzige PDE-5-Hemmer ist, der für die tägliche
Dosierung geeignet ist, ist mit den
unterschiedlichen Halbwertszeiten
zu erklären. So hat Tadalafil eine mittlere
Halbwertszeit von 17,5 Stunden
(gegenüber anderen PDE-5-Hemmern
mit zirka vier Stunden Halbwertszeit).
„Tadalafil hat dadurch den großen Vorteil, dass man trotz geringer Dosis-Einnahme sehr wohl eine Dosis-Akkumulation erwarten kann“, sagt der Urologe. Nach fünf Tagen komme es bei täglicher Anwendung zu einem stabilen Plasmaspiegel. „Gegenüber der Einzeldosis ist ab dem fünften Tag der Plasmaspiegel von Tadalafil 1,6-fach erhöht, d.h. ich bin in einem doch deutlich pharmakologischen Bereich.“
Doz. Jungwirth stellte in Folge zwei randomisierte, plazebokontrollierte Studien (Europa1, USA2) vor, in denen u.a. überprüft wurde, welche Dosierung für die tägliche Anwendung am besten geeignet ist – 5 mg versus 10 mg (n = 268 Männer) oder 2,5 mg versus 5 mg (n = 287 Männer). Weiters wurde auch die Langzeit-Wirksamkeit wegen einer eventuellen Tachyphylaxie in (an die beiden Studien anschließenden) offenen Beobachtungsstudien erforscht.
Dabei wurden nicht nur „junge, gesunde, dynamische Männer“ untersucht, wie der Urologe hervorhebt, sondern sehr viele Männer mit Grundkrankheiten wie Hypertonie (fast ein Drittel), BPH (ein Viertel) und Diabetes mellitus (15 %).
Die Ergebnisse nach zwölf- bzw. 24-wöchiger Therapie: „Die Verbesserungen der ED waren bemerkenswert“, berichtet Doz. Jungwirth. Auch bezüglich der SEP- 2- (erfolgreiche Penetration) und SEP-3-Frage (Erektion lange genug für erfolgreichen Geschlechtsverkehr) ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen der 5-mg- und der 10-mg-Dosis, bei beiden Dosierungen gab es eine signifikante Verbesserung der Sexualität im Verum-Arm. „Das war dann auch das Argument dafür, dass man Tadalafil 5 mg als tägliche Dosierung auf den Markt gebracht hat“, informiert Doz. Jungwirth über die Konklusion aus der Studie.
Was die NW-Profile der täglichen Dosierung versus On Demand anbelangt, zeigte sich Folgendes: „Die Nebenwirkungen, insbesondere Kopfschmerzen und Dyspepsie, waren bei der On-Demand-Gabe deutlich höher als bei der niedrig dosierten Once-a-Day-Gabe. Das haben die Patienten als sehr angenehm empfunden“, erzählt der Urologe von den Rückmeldungen seiner 20 Salzburger Patienten, die an der Studie in Europa teilgenommen haben (siehe auch Kasten).
Dazu berichtet Doz. Jungwirth, dass es bei seinen Patienten überhaupt keinen Plazebo-Effekt gegeben habe (sechs von 20 waren im Plazebo-Arm) – ganz im Gegenteil: „Die Patienten, die im Plazebo-Arm waren, haben gesagt, dass ihre Sexualität während dieser Studie schlechter geworden ist.“ Ähnlich bei der SEP-2-Frage (erfolgreiche Penetration), wo die Patienten meinten: „Ich spüre nichts, ich bin sicher im Plazebo-Arm …“ Schließlich beantwortet der Urologe noch die Frage, ob es bei Langzeit-Einnahme des PDE-5-Hemmers zu einer Tachyphylaxie kommt. Zumindest für den Zeitraum von zwei Jahren könne darauf laut den Studienergebnissen mit „Nein“ geantwortet werden. Gro
1 Porst H et al., European Urology 2006;
50: 351 – 9
2 Rajfer J et al., J Impotence Res 2007;
19: 95 – 103
Vortrag „Cialis 5 mg täglich – eine neue Therapieoption in der ED-Behandlung“ (mit Unterstützung der Fa. Eli Lilly) auf der Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie; Linz, November 2008
Über noch mehr Erfolg, nämlich bei jedem Geschlechtsverkehr (100 % bei SEP 2 und 3, ausgehend von 72 und 25 %), konnte sich ein Manager einer großen Firma freuen, der an ED und einer Depression seit 2006 litt. Die Rückmeldungen des 54-Jährigen auf der Karteikarte: „Perfekt, unbeschreiblich, geht super, Wirkung hervorragend, sehr angenehm“.
MT: Ist Österreich im Umgang mit
der Sexualität ein Entwicklungsland?
Dr. Fiala: Um einen mitteleruopäischen
Standard zu erhalten, bräuchten
wir eine sinnvolle Sexualerziehung
an den Schulen, die diesen
Namen auch verdient, und eine Ausbildung
der Lehrer in Sexualerziehung.
Verhütungsmittel auf Krankenschein,
zumindest für junge oder
sozial benachteiligte Menschen. Kondomautomaten
an den Schulen – und
die „Pille danach“ rezeptfrei. Aber in
diesem Land sind die wichtigsten
Präventionsmaßnahmen leider aufgrund
des großen Widerstandes von
religiösen oder konservativen Kreisen
nicht umsetzbar.
MT: Haben wir dadurch eine erhöhte
Rate an Schwangerschaftsabbrüchen?
Dr. Fiala: Ja, leider. Die Länder mit
der niedrigsten Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen
sind Holland oder
die Schweiz. In Holland gibt es auch
einen freizügigen Umgang mit Sexualität,
aber vor allem wird dort sehr
gut verhütet. Selbstverständlich ist
die „Pille danach“ in beiden Ländern
rezeptfrei erhältlich. Das sollte auch
in Österreich umgesetzt werden.
MT: Oft wird die „Pille danach“ als
Abtreibung dargestellt. Was halten
Sie davon?
Dr. Fiala: Auf Grund des Wirkmechanismus
handelt es sich bei der
„Pille danach“ – z.B. der Vikela® – um
ein richtiges Notfallmedikament für
Frauen. Wie neuere Studien
gezeigt haben wird lediglich der
Eisprung verhindert, deshalb handelt
es sich eindeutig um eine Verhütung.
Falls der Eisprung schon stattgefunden
hat, ist die Pille jedoch wirkungslos.
Daher unterscheidet sie sich
grundlegend von der sogenannten
Abtreibungspille. Ich vergleiche die
„Pille danach“ gerne mit einem Notfallkoffer
bei einem Autounfall. Den
muss auch jeder Autofahrer im PKW
mitführen. Und niemand käme auf
die Idee, den Notfallkoffer erst im
Falle eines Unfalles bei einem Arzt
zu besorgen. Die „Pille danach“ sollte
daher wie ein Notfallkoffer immer
parat sein.
MT: Wie bekannt ist die „Pille danach“
bei den Ärzten, Apothekern
und Patienten?
Dr. Fiala: In der Praxis betreue ich
Frauen mit ungewollten Schwangerschaften,
die zu einem Schwangerschaftsabbruch
zu mir kommen.
Diesen Frauen ist die „Pille danach“
so meist unbekannt. Die wenigen
Frauen, die daran gedacht haben,
sind zudem häufig an der Hürde
gescheitert, mitten in der Nacht
oder am Wochenende zu einer ärztlichen
Verschreibung zu kommen.
Aus diesem Grunde ist in den meisten
europäischen Ländern die „Pille
danach“ rezeptfrei erhältlich – bestärkt
durch die doch eindeutigen
Publikationen einer sehr guten Verträglichkeit
und einer sehr geringen
Rate an Nebenwirkungen.
Für mich stellt sich die Frage,
warum wir in Österreich europäisches
Schlusslicht sind, wenn es um
den Schutz von Frauen und die Sexualität
geht. red
Gynmed-Ambulatorium
www.gynmed.at
Museum für Verhütung für und
Schwangerschaftsabbruch
www.muvs.org
„Pille danach“
www.pille-danach.at
Jungen Männern
fehlt Testosteron
MÜNCHEN – Jeder fünfte
Mann in Deutschland hat möglicherweise
zu wenig Testosteron
im Blut. Auch die Jüngsten
sind davor nicht gefeit. Zu diesem
Ergebnis kamen Münchener
Forscher, als sie im Rahmen der
DETECT-Studie, in der es eigentlich
um kardiovaskuläre Risikofaktoren
geht, die Daten von 2719
Männern auswerteten. Dabei
fanden sich in der Regressionsanalyse
Zusammenhänge zwischen
dem Hormonmangel und
dem Übergewicht (mit ungünstiger
Fettverteilung und hoher
„waist-height-ratio“). Aber auch
chronische Erkrankungen und
regelmäßige Medikamenteneinnahme
gingen mit tiefen Testosteronspiegeln
einher.
Hormonentzug
beim Prostata-Ca.
GIESSEN – Bei fortgeschrittenem
Prostatakarzinom haben
sich zum Hormonentzug sowohl
Orchiektomie als auch LHRHAnaloga
bewährt. Forscher von
der Urologischen Universitätsklinik
Marburg und Gießen haben
die medizinische Effektivität
der Hormondeprivationsmethoden
und deren Einfluss auf die
gesundheitsbezogene Lebensqualität
der Patienten verglichen. Mit
der medikamentösen Therapie
lässt sich die Androgendeprivation
zeitlich begrenzt einsetzen.
Das macht einen adjuvanten und
neoadjuvanten Einsatz möglich.
Der intermittierende Hormonentzug
brachte keinen Nachteil
für das Überleben der Patienten,
minimierte aber die Nebenwirkungen.
Da beide Methoden offenbar
gleich gut wirken, behält
das reversible medikamentöse
Verfahren wohl die Oberhand.
VenusMed: Vortragsreihe zu sexualmedizinischen Themen
Ende Jänner 2009 startete VenusMed – Zentrum für Sexualmedizin in Wien mit einem Vortrag zum
Thema Harninkontinenz eine Initiative zur sexualmedizinischen Weiterbildung von Ärzten sowie medizinischen
Fachkräften. Die nächsten Veranstaltungstermine sind: Donnerstag, 26. März 2009: „Erektile
Dysfunktionen und Sexualfunktionen aus ganzheitlicher Sicht“ mit Dr. Florian Wimpissinger (FA
für Urologie und OA im KH Rudolfstiftung) und Donnerstag, 28. Mai 2009: „Sexualität in der psychiatrischen
Praxis“ mit Dr. Christine Allen (FÄ für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeutin
und Sexualtherapeutin
Klinikum Wels-Grieskirchen: Haut- und
Geschlechtskrankheiten in neuer Hand
Prim. Dr. Werner Saxinger wird mit Februar 2009 „voll Enthusiasmus“ die Leitung
der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Angiologie im Klinikum
Wels-Grieskirchen übernehmen. Neben seiner mittlerweile 16-jährigen
Tätigkeit absolvierte Prim. Saxinger berufsbegleitend u.a. den Universitätslehrgang
für medizinische Führungskräfte und das Masterstudium für Gesundheitsmanagement
an der Donau-Universität Krems.
World Congress on Men’s Health & Gender heuer in Wien
Von 9. bis 11. Oktober 2009 findet der 6. Weltkongress zum Thema Männergesundheit im Wiener Rathaus
statt. Das umfassende Programm beinhaltet Themenschwerpunkte aus den Fächern Kardiologie, Urologie,
Endokrinologie und Onkologie genauso wie aus den Bereichen der Psychiatrie und Arbeitsmedizi.

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